Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 3. Mai 1956 (Tübingen)


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Tübingen, den 3. Mai 56.
Meine geliebte Freundin!
Dein lieber Brief ist zu meiner Freude noch vor der Abreise angekommen. Wir wollen hoffen, daß diese lastende Kälte und Finsternis, die alle Menschen krank machten, nun endlich aufhören. Merkwürdigerweise klagen auch andre über Jucken an den Augen.
Das beiliegende Büchelchen erhältst Du mit Dank zurück. Denn mein Exemplar hat sich ganz zufällig gefunden, jetzt, wo kein dringender Bedarf mehr danach besteht.
Von hier ist nichts zu berichten. Man hatte ja keine Lust zu Unternehmungen. Stattdessen habe ich an der Einkommensteuer gearbeitet. Das ist schauderhaft, schon weil man nicht mehr rechnen kann. Den 1. Mai haben wir
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| bei Bährs gefeiert. Gestern waren wir bei " Bürkers". Er (ehemals Professor in Gießen) ist 83, sie (Generalstochter von hier) nicht viel weniger. Beide sehr liebenswert. Auch bei Frau "Kommerzienrat" Ida Schmalenberger, Tochter v. Budenbender, waren wir kurz.
Morgen beginnt also die große Reise, und zwar sehr nobel. Wir lassen uns im Taxi bis Herrenberg befördern. Dort kommen wir in den Eilzug nach Freudenstadt und sind um 12.30 in Alpirsbach. Die Linie HorbEutingen hat zu schlechte Verbindungen. In A. werden wir doch im "Löwen" wohnen müssen. Das Haus ist gut, es heizt nur nicht. Wir hoffen auf leidliche Wärme. Tagsüber steht mir Jennys Zimmer zur Verfügung, das geheizt werden kann. Sie ist in Münster. Montag 7.IV müssen wir wieder zu Hause sein.
Ich habe heute gefühlt, ob ich noch ein Seminar zustande bringe. Vielleicht! Heute ist noch Fakultätssitzung. Dekan ist mein <li. Rand> Nachfolger Bollnow. Hoffentlich, hoffentlich siehst Du schon einige blühende Bäume. Wir wünschen auch sonst alles Gute
<re. Rand>
Innigst Dein
Eduard.

[Kopf] Einladung nach Hamburg zum Goethepreis für Marcel nicht angenommen.
[re. Rand S. 1] Schmidt Ott mit 96 †