Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 1. Juni 1956 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
Rümelinstr. 12>

1. Juni 56
10 Uhr.
Meine geliebte Freundin!
Mit dem Wetter am Sonntag hast Du Dir die größten Verdienste erworben. Das heitere Bild von dem Garten am Neckar wird mir in besonders lieber Erinnerung bleiben. Es war doch einmal wieder ein "Ausflug."
Eigentlich wollte ich erst am Sonntag schreiben. Aber ich habe ein Anliegen. ("Ick sage Dir, die woll'n wat!)" Nämlich: gib doch bitte die Ansprache vor der Akademie noch einmal heraus. Eine Zeitschrift will den Text abdrucken, und es hat sich herausgestellt, daß keine authentische Fassung mehr da ist. Du bekommst dann eine neue Abschrift.
Es war hier ununterbrochen etwas los. In der Bahn saß mir ein junger Mann gegenüber, der mich betreute wie "Excellenz bei Bouché." Nachher kam es zum Gespräch,
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| und er entpuppte sich als der Assistent des Juristen Fechner von hier, der [unter der Zeile] <Pfeil von "Fechner" zu "der"> soeben meine Promota, Frau Dr. Mahn, geheiratet hat. In Tübingen war wieder einmal Hochwasser gewesen. – Montags kamen die Eltern Herchenbach, Mittwoch war Seminar, Donnerstag besuchte uns ein Oxforder Professor, nachm, bei dauerndem Gewitter, machten wir Gegenbesuch bei Herchenbachs in Bad Niedernau. Jetzt in 1 Stunde holen uns Landenbergers mit ihrem Auto ab, wahrscheinlich nach Haigerloch.x) [Kopf] x) Die Straße dorthin ist aber gestern verschüttet worden Es sieht faul aus.
Der liebe Minister Bäuerle ist gestorben (1 Monat jünger als ich.) Der kath. Theologe Arnold nimmt den Rektor und uns beide mit zur Bestattung nach Stuttgart 2.6.  11 Uhr.|Gleichzeitig wird in Heidelberg die Urne des mir sehr werten Kossel beigesetzt. (Lehrer des Wolfgang Herchenbach.) Für die nächsten Tage ist ein Besuch nach dem andren angesetzt.
Ich hätte nie gedacht, daß ich als Rundfunkredner noch mein spätes Glück machen würde. Alle Vorträge werden ein paar Mal wiederholt. – Die Tagung der Goethe-Ges. <re. Rand> in Weimar ist gut abgelaufen.
Heute schreibe ich ein bißchen in Eile. Viele gute Wünsche und <li. Rand> Gegengrüße von allen hier.
Dein dankbarer u. getreuer Eduard.

[li. Rand S. 1] Der Vater der Schauspielerin Marianne Hoppe, ein alter Anhänger von mir, feiert Sonntag seinen 90. Geburtstag; <re. Rand> da habe ich einen langen Gratulationsbrief geschrieben.