Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 29. Juni 1956 (Tübingen)


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Tübingen,29.6.56.
Meine geliebte Freundin!
"Das Schöne ist schwer." Obwohl dieses griechische Wort ursprünglich anders gemeint ist, paßt es doch auch auf den Geburtstag. Als ich heimkehrte, stand ich vor einem Tisch mit ca 150 Rosen, von anderen Blumen zu schweigen. Bis heute aber sind 200 Postsachen eingetroffen. Wie soll ich die mit meinen Augen und Händen bewältigen?
Vor allem danke ich Dir, für Brief und Buch. Ich freue mich, die Furtwängler-Erinnerungen von Deiner Hand und mit Deiner Widmung zu
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| besitzen. Gehört habe ich ihn nur höchst selten. Denn mein Arbeitsleben ließ für die Musen nur wenig Zeit
Der Juli ist die trubulöseste Zeit mit Durchreisenden. "Die Ruhe ist hin". Seit der Rückkehr von der Reise geht es auch mit dem Sehen schlechter. Ich werde am Dienstag wieder zu Landenberger fahren.
Gestern war Marta Wais mit meinem Patenkinde Silvia da, die soeben ihren Referendar gemacht hat. Heute erwarte ich Dr. Bähr.
Du hast gewiß viel Räumerei
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| gehabt und viel disponieren müssen. Eigentlich wird der Mensch doch von außen aufgefressen. Aber hoffentlich wird es dann auch wieder stiller.
Ich beantworte heute nur Zuschriften von Gratulanten, die zwischen 80 und 90 sind. Da mußt Du Dich mit Deinem kleinen Teil begnügen. Die Augen geben nicht mehr her. Empfange also herzlichsten Dank für alle Zeichen Deiner Liebe und innigste Grüße. Auch "die anderen" grüßen vielmals.
Sonntag Nachm. nimmt uns Konzertmeister Klemm mit s. Auto in die Landschaft.
Heute werden noch 60 gedruckte
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| Danksagungen fertig.
In Liebe und Treue
Dein
Eduard