Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 26. August 1956 (Lenzkirch/Hotel Vogt)


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Lenzkirch, Hôtel Vogt
den 26. Aug. 56.
Meine geliebte Freundin!
Gestern war das schlechteste Wetter, das ich je im Schwarzwald erlebt habe. Und das will etwas heißen! (trotz Freudenstadt 1913) Hygrometer 95. Sturm, Wasserschwaden, bald schwül, bald kalt.
Trotzdem – denn auch andre Tage waren sehr schlecht – haben wir 2 Touren gemacht, die ich mir garnicht mehr zugetraut hätte. Einmal von Saig aus auf den Hochfirstrücken (1200 m) und auf sehr üblem Weg die 400m nach Lenzkirch hinab. Ferner haben wir den Weg wiederholt, den ich mit Dir 1926 im September gemacht habe: von Kappel-Gutachbrücke auf unbezeichnetem und von unsrem Wirt widerratenem, aber gar nicht schlimmen Wege nach Friedenweiler (in unsrem Tempo 2 Stunden.) Mit Post nach Neustadt etc. zurück
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Seit heute vor einer Woche ist Frl. Silber in der Gegend. Sie wohnt in Kappel-Grünwald (Pens. Rechenfelsen) mitten im Walde. Donnerstag war sie bei uns, und wir haben stundenlang über den Pestalozzitext geredet. Sie wird Herrn Schmeil besuchen und bei dieser Gelegenheit auch Dich, natürlich mit vorheriger Anfrage. Das wird so um den 4. oder 5. September sein.
Außerdem war noch ein dreiköpfiger Besuch bei miserablem Wetter von St. Märgen aus hier: → der Regierungsrat Konrad Honig mit Frau Irene, geb. v. Witzleben, und einem Neffen.
Hans Honig Jenny Honig.
1) Konrad
2) Werner

} aus 1. Ehe.
3) Marianne
4) Sabine Christiane.
Morgen kommt nun Dr. Bähr im Auto mit Onkel und Tante aus Hornberg. Er bleibt über Nacht.
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Du siehst, es ist hier nicht so ganz still, zumal da Frl. Silber bleibt und schließlich Dr. Bork kommt. Weitere sind abgewehrt.
Ich habe mehr mit Schreibsachen zu tun als mir lieb ist. Sogar einen kleinen Aufsatz für die "Rheinische Post" habe ich schreiben müssen.   Alle Menschen haben wohl unter der Wetterlage der letzten Tage zu leiden gehabt. Ich fürchte, das gilt auch von Dir. Für meine Augen ist der Wind sehr schädlich, ebenso der Wassergehalt der Luft. In dieser Beziehung geht es merklich schlechter, während das Allgemeinbefinden passabel ist. Wenn es nach unsrem Plan geht, werden wir etwa bis zum 4.9. hierbleiben und via Alpirsbach am 6.9. in Tübingen zurück sein.
Hier gibt es auch Sonntags Post, und ich hoffe im stillen, eine kleine (Postkarte!) Nachricht von Dir nachher vorzufinden. Ev. füge ich dann noch ein
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| ein paar Worte hinzu.
Nachm.
Leider war nichts dabei, obwohl ein Berg da lag. Hoffentlich geht es bei Dir und an der Anlage 48 normal. Mache Dir noch keine Sorgen um den Umzug. Innigste Grüße und alles Gute, auch von Susanne.
Dein Eduard.