Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 9. September 1956 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
Rümelinstr. 12>

9.9.56.
Meine geliebte Freundin!
Mit Behörden soll man sich nicht herumschlagen. Man soll ihre Anordnungen befolgen und zahlen, was sie verlangen. Sonst schläft man schlecht, und das ist schlimmer, als etwas Unrecht zu leiden. Was kostet die Sache?
Deine Unternehmungsfreudigkeit mit Frl. Silber hat mir imponiert und mich sehr froh gemacht. Ich habe diesmal das Zusammensein mit ihr nicht so angenehm empfunden. Sie ist bockig geworden, und das unmotivierte laute Gekräh macht den Aufenthalt in Räumen unmöglich, wo noch andere sind.
Wir sind am 6.9. mit der auch I. Kl. überfüllten Schwarzwaldbahn nicht sehr angenehm gefahren und bis zum 8.9. noch in Alpirsbach geblieben. Aus Lenzkirch habe ich eine schwere Erkältung, einen Bronchialkatarrh, allgemeine
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| Herabsetzung des "Tonus" und Verschlechterung des Sehens mitgebracht. Einen Ausgleich bot nur die auch bei schlechtem Wetter wohltuende Landschaft und die wirklich einzigartige Atmosphäre des Hôtels Vogt. Dieser Erfolg einer 24tägigen, nicht gerade billigen Reise ist etwas enttäuschend.
In Alpirsbach war auch Liselotte Conrad, die Witwe des gefallenen Bruders Heinz, [über der Zeile] Erbe v. Althof. zu Besuch. (allgemein unbeliebt, wofür ich die Gründe nicht kenne.) Im Löwen wohnte auch Frau Präsident Lambacher von hier, mit Hund. Beide sehr laut.
Da ich bis zum 16.9. etwas für die Parteienrechtskommission fertig stellen muß, fällt der Brief äußerlich kurz aus. Als Ersatz lege ich etwas bei, das ich in Lenzkirch geschrieben habe.
Gestern haben wir Bährs besucht, wo nun sehr bald ein drittes Wesen erhofft wird. Die aufgeschichtete Post ist schon einigermaßen bewältigt. – Du wirst nun vielen Besuch bekommen, womit ich ganz einverstanden bin, wenn Du den Grundrhythmus Deines Tages nicht veränderst <li. Rand> und Dich zu Unternehmungen verführen läßt, die – als zu anstrengend – <re. Rand> schädlich nachwirken. Andere haben dafür in der Regel kein Schätzungsvermögen. Ich werde Deiner auch in dieser Zeit treu und <Kopf> besorgt gedenken. Ida u. Sus. grüßen. – Innigst
Dein Eduard