Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 5. Oktober 1956 (Tübingen)


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Tübingen, den 5. Oktober 56.
Von Montag Abend bis Donnerstag 14 Uhr
Bonn, Hôtel Muskewitz, Dechenstr.
Meine geliebte Freundin!
Nach Deiner Schilderung der "Lage", in der nichts festliegt, scheint es mir nun auch richtiger, daß Du Dich für den Umzug selbständig machst. Das Schlimme ist nur, daß Du noch gar keinen Termin (!) angeben kannst, was für den Spediteur immer das Wichtigste ist. Die Firmen machen sich aus so kleinen Umzügen natürlich wenig. Wenn der Mann, der Dich damals "gezogen hat", nicht sehr entgegen kommend war, bitte ich Dich, zu erwägen, ob Du Dich nicht wenigstens mit der Nachbarin zusammentun kannst, die ja nun auch den vereinbarten Termin am 10.10. wieder absagen muß.
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| Ein Packer muß kommen, Packmaterial-, Kisten etc. müssen angeliefert werden. Geschieht dies für 2 Parteien zugleich, so lohnt es sich besser, und der Spediteur hält dann die Verabredungen auch zuverlässiger inne. Sind die Leute einmal da, geht alles sehr schnell, und Du brauchst Dicht nicht lange aufzuregen.
Natürlich finde ich es unrecht, daß man alte Damen so lange im Ungewissen läßt. Du kannst ja auch mit Deinen privaten Hilfskräften garkeine Verabredung treffen. Für den Notfall rate ich wieder: Anruf beim Studentenwerk; Arbeitsvermittlung: "Schicken Sie mir einen Studenten für 3 Stunden zur Umzugshilfe. Ich bezahle ihm 30 M." Überhaupt: an die Kosten darfst Du garnicht denken, nur daran, daß Du Dir die Sache so
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| leicht machst, wie es nur geht. Zum Beispiel: Erscheint es Dir als besser, Dich im letzten Moment doch noch dem allgemeinen Transport anzuschließen – dann bezahlst Du Deinem Privatspediteur den Betrag, den er fordert. Die Hauptsache ist: den leichtesten Weg zu gehen.
Ein Tor ist, wer ein Ausgabenbuch führt. Da es nie stimmt, macht es nur Mühe und Sorge. Blücher schrieb: "Allens ausjejeben." Ich schreibe seit Jahrzehnten nichts auf.
Schade, daß der Dilsberg Dich nur mit einer "Rose vom Dilsberg" empfangen hat, die stach!
Wir hatten Besuch von einem mit Louvaris bekannten Äthiopier und von dem Japaner Ishibashi, der 1937
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| die schöne Frühjahrsreise organisiert hat. Ein mit Bähr verabredeter Spaziergang fiel in Wassermassen. Es ist nichts mit dem "leuchtenden Herbst", der uns versprochen war. Mein Husten ist noch nicht weg (seit dem 18. August!)
Morgen fahre ich also nach Karlsruhe, bin am Abend wieder da. – Vielleicht treffe ich Dich, wenn ich nach dem 20.X nach Heidelberg komme, immer noch im alten Heim.
Ich sorge mich sehr um Dich. Versuche doch nur dies eine Mal Deine Besorgnisse, etwas falsch zu machen oder falsch gemacht zu haben (s. Kocher) zu bekämpfen. Es ist nur eine schwierige Schwelle. Dann kommt wieder Ruhe.
Alle grüßen. Frau Tierok ist recht krank.
Innigst
Dein Eduard

[li. Rand] Meine Schreibhilfe hat sich "verändert", u. ich habe keine neue!