Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 16. Oktober 1956 (Tübingen)


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Tübingen, den 16.X.56.
Meine geliebte Freundin!
Der Lärm war recht verfrüht, und immer noch ist es "blinder" Lärm. Ich kann leider von hier aus gar keine Erleichterungen schaffen. Also mache alles so, wie es Dir lieb ist, aber unterlasse nichts, was sinnvoll wäre, nur weil es etwas kostet.
Wir sind hier in entfernt vergleichbarer Lage, insofern wir auf Jeangros warten. Er hat am Samstag telegraphiert: "Komme erst nächste Woche". So können wir jeden Tag auf der Lauer liegen. Für diese nunmehr spielende "nächste Woche" bestehen folgende Pläne: Morgen ist noch einmal der Doktor zu erwar
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|ten. Donnerstag möchte ich nach Eßlingen, zu dem Augenarzt Landenberger. Am Freitag vor dem Eintreffen der Post wollen wir nach Jugenheim fahren. Von dort aus können wir noch am gleichen Abend an einer Veranstaltung der Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt teilnehmen. Einige persönliche Besuche in der Gegend sind geplant. Hier wäre dann auch die erste Möglichkeit, daß ich nach Heidelberg komme, entweder am Sonntag 21.X von [über der Zeile] ca 15–18; oder auch am Montag um die gleiche Zeit.
Nach 4 Tagen wollen wir nach Kronberg weiterfahren, um Frau Biermann, Holzhausens und Hardenbergs zu besuchen. Finden wir in Kronberg kein geheiztes Haus, so könnten wir auch in Königstein Quartier
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| nehmen. Für diesen Fall wüßte ich gerne, ob Frl. Héraucourt noch dort ist.
Die ganze Reise soll 8 Tage dauern. Paßt bei Dir der 21. oder 22. nicht, so könnte der Besuch bei Dir an den Schluß gelegt werden, also so um den 26. oder 27.X. Ganz genaue Angaben darüber kann ich nicht machen. Der ganze Plan setzt voraus, daß ich übhpt reisen kann (z. Z. keinerlei Bedenken). Auch Hôtels kann ich immer erst von dem betr. Ort aus angeben, weil das Zimmer erwiesenermaßen geheizt sein muß. Notfalls könntest Du nach Kronberg postlagernd schreiben. Bis jetzt wissen Holzhausens nicht, daß wir kommen (so daß ich diese Adresse nicht angeben möchte.)
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Die Holzkiste kann jederzeit abgesandt werden. Denn Ida ist ja hier – allerdings nicht immer im Hause. Gut wäre, wenn gleichzeitig mit der Absendung eine Karte an Ida geschrieben würde. Aber wie bekommst Du das schwere Ding an den Bahnhof? Es müßte von einem Spediteur bei Dir abgeholt werden. "Eil"gut wäre nicht nötig. Aber es geht wohl sicherer so. Den Frachtbrief, mit dem wir doch keine Erfahrung haben, müßte auch der Spediteur mitbringen und nach Deinen Angaben ausfüllen. Eigentlich tut es mir leid, daß Du auch damit Extramühe hast. Geht es nicht noch irgendwie anders?
Am Samstag war unser lieber Afghane Mayar bei uns. Wir haben uns sogar in den Wald fahren lassen und einen Weg mit ihm gemacht, bei Sonne, aber ohne den erhofften klaren Blick auf die Alb.
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Auch ein angenehmer Japaner war da, der von einem Professor in Osaka ein Kwannon aus Porzellan brachte. In dem neuen japanischen Goethe-Jahrbuch ist mein Hamburger Goethevortrag auf deutsch.
Herr Schmeil hat ausführlich geschrieben, aber kein Wort über die Angelegenheit Silber hinzugefügt. Ich wäre sehr verstimmt, wenn sie sich nicht einigten.
Es geht mir augenblicklich so, wie es mir in meinem ganzen Leben noch nicht gegangen ist: ich habe nichts zu tun. Lesen fällt mir zunehmend schwer. Schreiben geht besser. Aber es sind 7 Sachen von mir "unterwegs", z. T. schon gesetzt, und im Augenblick ist kein rechter Gegenstand da, der mich interessiert. "Bestellt" sind allerdings noch 3 Sachen. Mit denen lohnt es
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| aber nicht, noch vor der Reise anzufangen.
Aus dem oben geschilderten Programm folgt, daß Du Dir mit einem Telegramm keine Mühe zu machen brauchst. Postkarten gehen ebenso schnell, und ich empfehle, nur Postkarten zu schicken, so lange dieser merkwürdige Umzug "schwebt." Ich werde aufatmen, wenn er erst vorbei ist und Du allmählich zur Ruhe kommen kannst.
Christiane ist augenblicklich noch bei der Großmutter in Alpirsbach, Holzhausens noch am Bodensee (Langenargen.)
Bezahle Deinen Hilfskräften Taxis, damit sie Kraft sparen. Ich habe ein unüberwindliches Mißtrauen gegen Dich, daß Du zu sehr knauserst.
Innige Wünsche und Grüße, denen sich meine "Einreiber" anschließen.
Dein
Eduard.