Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 27. Oktober 1956 (Tübingen)


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Kronberg, 27.10.56.
Meine geliebte Freundin!
Dies ist also der erste Brief, den ich Dir in das neue Heim schreibe, und ich belade dies Schiff mit allen guten Wünschen. Wenigstens wirst Du jetzt gleichmäßige Wärme im Zimmer haben. Gleichmütige Stimmung für die gemeinsamen Mahlzeiten bringst Du wohl auch auf. Es ist ja aber auch nicht ausgeschlossen, daß es einmal eine angenehme Nachbarschaft gibt. Sonst sollst Du so viel wie möglich schlafen, damit der lange Schrecken des Umzuges ausgeglichen wird.
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Unser "Herumziehen" ist nicht vom Glück begünstigt. Das Wetter wird immer schlechter. Bei Frau Biermann, die lebhaft nach Dir fragte, sind wieder einmal Enkelsorgen. Mit Holzhausens ist es zu eigentlich ruhigem Zusammensein auch noch nicht gekommen. Ich war bei Christianes Direktor in Königstein. Er ist zufrieden. Schwerer Regen hinderte uns, noch die Pension Hartmann am Ölmühlenweg aufzusuchen. Morgen Vorm. werden wir bei Gr. Hardenbergs einen Besuch machen.
Heute ist ein Unwettertag. Wir erwarten Christiane und werden sie natürlich nur im Hause unterhalten
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| können. Ich leide etwas an Unterbilanz der Kräfte (Herz), und dies beeinflußt auch die Pläne für ein Wiedersehen am Rückreisetag Montag Diesmal werden wir leider nicht nach der Zeppelinstr. kommen können, so begierig wir beide sind, Deine neue Umgebung kennen zu lernen. Ich denke so: Wenn Dein Befinden und das Wetter es Dir (ohne Leichtsinn!) gestatten, zu dem Zuge um 12.11 an den neuen Bahnhof zu kommen, werden wir dort beim Mittagessen ein Stündchen zusammen sein, und ich werde Dich dann zur Rückfahrt in ein Taxi setzen Kommst Du nicht, so will ich nicht beunruhigt sein, sondern Deine Vorsicht
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| nur loben. Nachrichten können wir uns gegenseitig nicht mehr geben. Glückt es, so werden Susanne und ich wenigstens hören, wie der Umzug verlaufen ist und wie die ersten Eindrücke sind.
Guten Sonntag, und viele herzliche Grüße von uns beiden!
Dein getreuer
Eduard