Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 16. Dezember 1956 (Tübingen)


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Tübingen, den 16.XII.56.
Meine geliebte Freundin!
Ein Brief wird es nicht werden; nur ein Adventszwischengruß. Es kommt jetzt die Zeit des Jahres, in der mehr zu schreiben ist, als meine Augen eigentlich hergeben.
Zunächst: Es gibt eine Elektrische direkt von Handschuhsheim nach dem Neuen Bahnhof, via Schlachthof. Von dort kann es doch bis zu Héraucourts nicht weit sein. Aber in dieser Zeit des gesteigerten Verkehrs empfehle ich
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| selbst, Fahrten in die Stadt zu unterlassen.
Mein Freund Staatsrat Prof Kornis, dem ich den Budapester Ehrendoktor verdanke und der tot gesagt war, lebt noch. Er hat mir durch einen Verwandten Grüße geschickt, der als Flüchtling in einem Hospital in Rom ist. Kornis leidet sehr an den Augen. | Hingegen habe ich von Prof. Prohaszka noch nichts gehört.
Vom Weihnachtsprogramm fällt Mayar weg, da er in den Ferien nach Frankfurt reist. Auch die Fahrt nach Alpirsbach ist
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| in Frage gestellt, da der "Löwe" kein heizbares Zimmer mehr frei hat. Ohne ein refugium kann ich aber keine Winterreise riskieren.
Ein Syrer, der früher bei mir gehört hat, ist der erste, der sich für meinen Beitrag zu der englischen Universitas bedankt. Aus dem Ausland kommt häufiger ein Echo auf meine Schriften, als vom Inland, wo man sie nicht liest oder über den Inhalt hinwegsieht.
Vorgestern war eine nette Peruanerin bei uns, die dieses Semester hier studiert.
Ein schwaches Herz ist ein schwach
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| gewordenes Herz. Bei mir geht es wenigstens noch gleichmäßig. Bei geeignetem Wetter kann ich auf ebenen Wegen noch ganz ordentlich gehen. So waren wir gestern via Wurmlinger Kapelle in Hirschau = 2 Stunden. – Und nun beginnt die – Zeit des Trubels.
Herr Dr. Niemeyer hat mich unterbrochen. Dann kam Herr Schrank aus Potsdam. Also schließe ich hier mit herzlichen Wünschen für Dein Wohlbefinden und Dein – Wohlverhalten. Laß Dich durch die Weihnachtszeit möglichst wenig vom gleichmäßigen Lebenswandel abbringen. Auch Susanne und Ida, der es wieder garnicht gut geht, grüßen vielmals
Dein Eduard