Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 22. Dezember 1956 (Tübingen)


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Tübingen, den 22.XII.56.
Meine geliebte Freundin!
Die beiden Gingkoblätter sind mir ein sehr liebes Weihnachtsgeschenk. Du wirst schon festgestellt haben, daß ich für Dich kein anderes Geschenk habe als ein Kalenderchen. Ich war immer mehr für symbolische Geschenke, und in diesem Jahr sollte alles, was möglich ist, den Ungarn zugewandt werden.
Gingkobäume sind in Deutschland nicht so selten, wie man wohl gemeint hat. Aber eine Freundschaft wie die unsrige ist selten. Sie also wird den Hauptinhalt unsres Weihnachtsfestes bilden, in Erinnerung und Ausblick.
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Eure "offizielle" Feier ist schon vorbei. Noch kennen sich die Hausbewohner wenig, so daß man nicht viel für einander empfinden kann. Die "große Herde" ist ja überhaupt "nicht unsre Art". Aber auch dem läßt sich etwas Positives abgewinnen. Wenn man nicht mehr den ganzen Tag arbeiten kann, lenkt die Begegnung mit Menschen ab. Naturgemäß sind immer körperliche Beschwerden da, und ich höre mit Betrübnis, daß sie letzthin stärker waren. Oft hilft nichts anderes, als "so zu tun, als ob man es nicht wäre."
Wann soll denn die Feier bei Frau Franz sein? Der Tochter geht es also wieder normal?
Bei uns sieht der Kalender jetzt so aus: 26.12 nachm. kommt das
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| Ehepaar Bähr. 27.–29.12 Alpirsbach, wo der schwäbische Verstand nun eingesehen hat, daß 2 Einzelzimmer das Gleiche leisten wie 1 Doppelzimmer. 30.12 nachm. Taufe des Bährschen Kindes in der Stiftskirche. 31.12. Besuch von Dr. Andreas v. Müller. 1.12. nachm. Fahren wir zu Landenbergers nach Eßlingen. (etwas teuer für 2½ Stunden.) 2.12. Besuch von Frl. Dr. Redlich.
Und nun habe ich eine Weihnachtsbitte: Wenn meine Kräfte nicht ausreichen sollten, den Besuch bei Dir mit der Fahrt zu den Sitzungen in Bonn zu verbinden, willige nachsichtig darein, daß ich dann am folgenden Wochenende nach Heidelberg komme. Es ist nämlich so: der neue Doktor bekämpft das Herzmittel, das ich bisher genommen habe und das mir keinen Schaden getan hat. Stattdessen hat er "Weißdorn"
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| verschrieben. Davon ist eine große Schläfrigkeit und Schwäche gekommen. Ich hoffe, daß die wieder weggeht. Aber ich möchte nichts versprechen, was nachher nicht ausführbar ist. Weihnachten u. Neujahr sind ja wegen der Post immer furchtbar anstrengend; eine Schreibhilfe habe ich nicht, und es ist besser, ohne als mit Nervosität zusammen zu sein.
Unsrer Ida geht es dauernd nicht gut. Auch damit verbinden sich trübe Ausblicke, für sie und für uns. Susanne muß sich nach allzu vielen Seiten teilen.
Nun also meine innigsten Grüße für den Heiligen Abend, den Du, wie üblich, still verleben wirst. Nimm Photographien von unsren Reisen vor. Das ist dann auch eine Form des Zusammenseins. Alle hier schließen sich meinen Wünschen an.
Hoffentlich gibt es für Alpirsbach kein Schneewetter. Das liebe ich nicht. Von dort kommt ein Kartengruß zu Neujahr. Bei Schnee geht es mit den <li. Rand> Augen schlechter.   In treuestem Verbundensein  Dein Eduard