Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 8. Februar 1956 (Heidelberg)


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Heidelberg. 8. Febr. 1956.
Mein geliebter Freund!
Gestern schien zum ersten Mal in diesem Jahr die Sonne auf meinen Sekretär und bis auf die Wand unter der Aurora. Sie wollte mir wohl etwas Ersatz bieten für die sonnigen Stunden Deiner Gegenwart, die nur garzu schnell vergingen. Aber heute war der Himmel trübe, und nach einigen leichten Flocken kam ein richtiges Schneetreiben. Noch sind die vergletscherten Reste nicht beseitigt, die uns am weiteren Ausgehen verhinderten.
Aber umso froher und dankbarer bin ich für Dein Kommen und daß es ohne störende Umstände blieb und mir nur beglückende warme Eindrücke brachte. Mögest Du die unvermeidliche Strapaze gut überstanden haben! Du schienst befriedigt von Deinen Erlebnissen in Bonn und nahmst, wie mir schien, neue
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| Arbeit von dort mit nachhaus. Natürlich blieben mir noch mancherlei Fragen übrig, aber das ist ja nicht wichtig. Aber erzählen möchte ich Dir doch noch im Anschluß an meinen Bericht über die mir so unerfreuliche Bankangelegenheit, daß da noch eine Ergänzung mit der Post kam, eine Nachricht von weiterem Erlös aus Verkauf, sodaß ich jetzt auf dem Banksparbuch den gewünschten Rückhalt von jederzeit verfügbarem Geld habe, wie ich es mir wünschte. Das ist mir lieb, auch in Deinem Interesse, Du immer Hilfsbereiter, lieber, einziger Freund, aber die ganze Angelegenheit bringt mir recht betrübend zum Bewußtsein, daß ich nicht mehr imstande bin, die sachkundige Überredung solches Bankbeamten klar zu erfassen, sondern leicht fürchte, übervorteilt zu werden. Und eigentlich glaube
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| ich ja auch, es wäre besser gewesen, wie ich es wollte!!
Hatte ich wohl schon vor längerer Zeit diese beigefügte Anzeige gezeigt? Ich hatte sie in unserer Zeitung gefunden. Dieser Jakobsen war ganz aus unsrer Erinnerung entschwunden, aber vermutlich viel in Heidelberg anwesend. Horst Busse liefert für unser Blatt die Karikaturen. Von O. J. habe ich nichts darin bemerkt. Vielleicht zeichnete er nicht mit Namen.
Besucher werden immer weniger. Heut war aber auch der Schnee zu hoch, um freiwillig auszugehen. Der Sandsteinrand unseres Balkons ist wieder mit ebenso dickem Polster bedeckt, wie ich auf Deinen Rat beseitigt.
Veranlaßt durch meine Nachbarin, Frau Müller, die sich für Kerschensteiner interessierte, deren Kousine mit ihm befreundet gewesen sei, habe ich die Biographie, die seine Frau schrieb, mal wieder durchgeblättert. Ich hatte doch viel Einzelnes
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| vergessen, aber ich bin noch in der Hälfte und warte noch, ob das Wichtige seiner Wirkung zum Ausdruck kommen wird. – Erinnerst Du Dich noch an die drei großen K auf der Rappenterrasse? Wie friedlich war die Welt damals! Wir haben es doch lange sehr gut gehabt. Aber der Abstieg fing schon an im März 88 mit dem tiefen Schnee bei der Bestattung des alten Kaisers. Möchten wir doch den Tiefpunkt noch mit innerer Gewißheit erleben! Wer ist denn der Staatsrat Prof. Eschenburg? Ich höre ihn zum ersten Mal in der Zeitung nennen.
Hoffentlich schreitet die Heilung von Frau Tierok normal voran, und geht es auch Ida leidlich. Für den Katarrh von Susanne wird wohl die Witterung nicht gerade dienlich sein. Auch ich bin im Streit mit einem drohenden Schnupfen. Du hast aber hoffentlich keine Erkältung auf der Rückfahrt geholt und kannst ohne Bedauern daran zurückdenken. Von Herzen danke ich Dir für den lieben Besuch, der mich so innig erfreute.
Grüße vielmals von mir, und nimm die <li. Rand> herzlichsten Wünsche und Grüße von Deiner Käthe.
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Noch eine Frage. Hermann weiß, daß alles, was von Schrift- und Drucksachen von Dir hier ist. Da wollte eine seiner Töchter, die Teologin, damals gern den Pfarrer Spiegel.
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| würdest Du den lieber selbst behalten, dann schicke ich ihn selbstverständlich Dir.