Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 28. Februar 1956 (Heidelberg)


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Heidelberg. 28.II.56.
Mein geliebter Freund!
Ein Brief wird es heute nicht, nur Dank sagen möchte ich Dir und Susanne für das erfreuliche Päckchen, sowie auch Ida für die guten Glückwünsche (und Süßigkeit?) Es war bei mir eine solche Fülle von Besuch und Post, daß es mir ganz schwer wird, die Gaben und Geber genau zu identifizieren. Aber Dir davon erzählen möchte ich wenigstens, auf Deinen lieben Brief zu danken und einzugehen laß mich auf eine freiere Stunde verschieben. – Du wünschtest eine günstige Verteilung; mit gutem Erfolg, denn es kamen eigentlich nie zwei verschiedene Parteien zugleich. Schon am 24. kamen Mutter und Tochter Franz und am Tage selbst [über der Zeile] vormittags Gisela Gaßner und Mann, zum Kaffee Hedwig Mathy und Rösel Hecht – am Sonntag Frau Heinrich und Schwester und später Frl. Seidel, die nach 14 Tagen als normal
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| geheilt aus der Augenklinik entlassen war. Ich hatte sie einmal, kurz nach der Operation des grauen Stars besucht und mich sehr gefreut, wie glatt alles gegangen war. Möge sie jetzt nur nicht gleich zu unternehmend sein!
Am Montag war dann noch Frau Buttmi zu einer sehr herzlichen Plauderstunde da, deren jüngere Tochter im Mai nach Amerika heiratet. Abends noch Frl. Ingold, die Gewerbelehrerin.
Am 25. morgens weckte mich die schöne Stimme der Schwester mit dem Choral "Lobe den Herren", das gab dem Tag eine weihevolle Stimmung. Und dabei gedachte ich Deiner und der unverlierbaren Vergangenheit seit 53 – und seit etwa 81 Jahren, denn soweit reicht meine bewußte Erinnerung, und ich habe nur Grund, dankbar zu sein. — Auch jetzt empfinde ich es als ein unverdientes Geschenk, wie mir von so vielen Menschen ehrliche Zuneigung erwiesen wird. So hat das neue Lebensjahr freudig begonnen, sollte es auch das letzte sein, in seiner irdischen Unvollkommenheit. Es bleibt ein Streben.
In immer gleicher Liebe
Deine Käthe.