Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 16./17. Mai 1956 (Heidelberg)


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Heidelberg. 16. Mai 56
Mein geliebter Freund!
Wie sehr habe ich mich über Deinen lieben Brief gefreut, vor allem auch über die Aussicht auf Deinen Besuch am Trinitatissonntag! Mache es damit ganz wie es Dir bequem ist, ich wüßte nicht, was mich verhindern könnte für Dich meine Zeit frei zu halten!! Und sehr freut es mich auch, daß anscheinend der Aufenthalt in Alpirsbach noch etwas wirkliche Erholung brachte. Ja, die Kirche ist von wunderbarer Schönheit in ihrer ernsten, so unverändert erhaltenen Geschlossenheit. – Und in Tübingen war dann gleich wieder ein lebhafter Verkehr!
Du wirst spotten, daß ich versuche, Dir in der Beziehung Konkurrenz zu machen, aber für meine Verhältnisse ist es reichlich.
Gestern war ich in Rohrbach, um mich bei
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| Buttmis nach der kirchlichen Trauung des Brautpaars zu erkundigen, und unmittelbar danach kamen die Zwei zu mir, die ich draußen nicht angetroffen hatte. Ich werde also am Pfingstmontag um 2 Uhr mit einer hiesigen Verwandten zur Kirche befördert, und auch zurückgefahren. Die weitere Feier, angeblich nur kleine Feier, habe ich konsequent abgelehnt. Nachmittags sprach ich Frl. Ingold, die dazu eingeladen ist, und behauptet, es seien etwa 40 Personen!! – Heut vormittag war Frl. I. nochmals bei mir; nach dem Essen, als ich in sanftem Schlummer lag, kam Frl. Dr. Clauß, dann der Installateur für meine Lampe und um ½ 4 Uhr Ute Klauser, die Schwester der Renate, (Enkelinnen von Ernst Schwalbe), die [über der Zeile] bei mir eine Tasse Kaffee und Kuchen dazu bekam. Es war ganz nett und belebt mit ihr. – Und morgen denke ich nun
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| endlich Gretel Franz in der Klinik aufzusuchen, bisher war ich nur zweimal zur Nachfrage bei Hedwig M., die von guten Fortschritten berichtete. Die Patientin hätte dem Arzt erklärt, jetzt sei sie wieder gesund, worauf er aber doch gelächelt hätte. Immerhin ist dies ja ein Zeichen, daß ihre tatkräftige Natur noch nicht gelitten hat.
Wenn ich so umgänglich wäre, wie ich sein sollte, hätte ich Schmeil auch gratuliert, aber es genügte mir, den kleinen Bericht in der Zeitung zu lesen. Offizielle Höflichkeit fällt mir garzu schwer. [] Übrigens wurde Herr Buttmi auch 60!
Es ist mir immer sonderbar, wenn junge Leute jedesmal, wenn ich Mängel beklage, die ich als Alterserscheinung empfinde, behaupten, es ginge ihnen ebenso. Übertreiben sie so, oder hat man vergessen, daß man selbst schon so früh damit anfing?
Ich werde versuchen, ein Verzeichnis anzulegen, um bei Deinem Kommen möglichst an alles erinnert zu werden, wovon ich mit Dir reden
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| möchte. Aber "im Grunde" – ist mir ja doch das Wichtigste, von Dir zu hören!
Von blühenden Bäumen sah ich eigentlich nur etwas von unserm Gangfenster aus am Nordabhang des Berges so nach u. nach: Kirschen, Zwetschen, Frühäpfel, aber Ahorn, Ulme, und die roten Kastanien habe ich vom Balkon beobachtet und die Vögelchen zanken, weil ich weniger Futter streue!
Mit dem Gehen ist es am besten, wenn ich irgend ein Ziel habe, dann funktioniert es von selbst. Also hoffe ich auch zum Spaziergang fähig zu sein. Bringe nur gutes Wetter mit, hier ist es dauernd wechselnd.
Sehr gern will ich Dir auch einen Brief von Mädi zu lesen geben, die große Not mit dem Pflegesohn hat, den sie so hilfreich aufnahm. –  –  –

Donnerstag früh! Der Brief soll fort, denn heute ist keine Aussicht zum Weiterschreiben. Darum nur recht viele liebe Grüße und Wünsche noch und <li. Rand> Vorfreude zum 27! Grüße auch vielmals Susanne und Ida! In stetem Gedenken
Deine Käthe.