Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 24. Juni 1956 (Heidelberg)


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Heidelberg. 24.6.56.
Mein geliebter Freund!
Wenn ich vor dem 27. noch einen Dank an Euch beide für Euer Kommen (trotz mancher Hindernisse) und herzliche Grüße schicken will, ist es höchste Zeit. Das lähmend kalte, sonnenlose Wetter hat mich sehr herabgestimmt, und selbst die Erinnerung an den 20. hat nicht die erhoffte Aufheiterung gebracht. Aber ich war so besonders dankbar für das freundliche Eingreifenx [li. Rand] x an das sich der Bericht über den Besuch bei Diem schloß, von Susanne bei der Verstimmung die der dämliche Kellner heraufbeschworen hatte, deren Ursache ich erst garnicht begriff. Die Auswanderung in die III. aber war dann für mein Gefühl recht günstig, denn Luft und Licht dort war von jeher nach meinem Geschmack, und die Küche ist ja gleich!
Hoffentlich ist ja auch das kurze Beisammensein auch bei Euch nicht als Charakteristikum
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| zurückgeblieben! Für mich war es nur viel zu kurz, denn ich brauche immer etwas lange, bis ich auftaue und es bleibt Unendliches zurück, wovon ich reden und Antwort haben wollte.
Auch heut schreibe ich wieder mit Hindernissen, denn kaum hatte ich angefangen, da kam Frl. Lotte Reinhard und blieb bis zum Essen. Und dann bin ich immer für 1–2 Stunden unfähig. Überhaupt war seit Mittwoch immerfort "etwas los": Hedwig Mathy, die meldete, daß Gretel Franz noch immer Rest der Thrombose im Blut hat und im Krankenhaus bleiben muß; Frau Buttmi kam und erzählte vom jungen Ehepaar, das getreulich schreibt. Frau Frobenius kam und hatte [über der Zeile] viel aber nichts Gutes zu berichten u.s.w. Und in 2 Stunden kommt jetzt Hermann und dann gibt es zunächst auch keine Schreiberuhe! Darum nur diese eiligen, aber sehr herzlichen Zeilen, bei denen die Sonne scheint, aber eine dicke, schwere Wand von Westen aufsteigt.
Möchtet Ihr einen besseren Sonntag erleben!
Mit diesem Wunsch und vielen Grüßen an alle <li. Rand> und besonders natürlich an Dich
Deine Käthe.