Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 1. Juli 1956 (Heidelberg)


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Heidelberg. 1. Juli 1956.
Mein geliebter Freund!
Nur einen kurzen Gruß möchte ich Dir heute noch schicken, wenn es auch kein eigentlicher Brief sein wird! Seit Freitag 14.40 bin ich wieder ohne Besuch, und habe am Samstag das schöne Wetter von meinem Lehnstuhl aus sehr genossen! Da kam, wie ich es unbescheiden genug! im stillen hoffte, auch noch Dein lieber Brief und ich lese ihn immer wieder, mit innigem Bedauern wegen der "schweren Schönheit" Deiner vielen Geburtstagswünsche. Habe Dank, daß Du gerade die zwischen 80 und 90 bevorzugt hast.! –  – Du wirst Dir gedacht haben, daß ich in der letzten Woche auch manches zu überwinden hatte, und nur froh bin, leidliche Selbstbeherrschung bewahrt zu haben. Wir waren von Montag bis Mittwoch jeden Vormittag auf dem Speicher in der Peterstraße, wo Hermann dann
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| von der Bahnspedition die erwünschten Möbel abholen ließ. Für mich bleibt nun ein rechtes Durcheinander zurück. Aber ich hoffe auf Hilfe von Hedwig Mathy, die augenblicklich in Hohfluh ist, aber bis Mitte Juli zurück ist. Sie konnte reisen, weil Gretel Franz jetzt nach Haus durfte. Bei Hanne Héraucourt ist auch eine sichtbare Besserung, nachdem ihr noch drei Zähne gezogen wurden, und man überhaupt an ihr elendes Aussehen mehr gewöhnt ist. – Jetzt genieße ich noch besonders mein hübsches Zimmer mit innerer Ruhe und abscheulichem Straßenlärm, dem Verkehr zum Ott-Heinrich, Schloßbeleuchtung etc. Ich gehe nirgends hin, weder Vortrag, noch Ausstellung, noch Musik. Ich lebe ja von Erinnerungen und stiller Gewißheit.
Jetzt bringe ich dies noch in den Briefkasten und gebe viel liebe Grüße mit und gute Wünsche für Deine Überwindung der drückenden Verpflichtungen. Susanne hilft Dir ja dabei! Ihr und Ida sage auch herzliche Grüße.
In stetem Gedenken immer
Deine
Käthe.