Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 3. August 1956 (Heidelberg)


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Heidelberg, 3. August 1956.
Mein geliebter Freund!
Es ist ein trostloses Wetter und selbst Dein lieber Brief konnte mich nicht aufheitern. Denn er meldet mir ja zu eigenen Mißhelligkeiten noch die betrübende Nachricht von neuen Schmerzen, die Dich befallen haben. Es fiel mir schon öfter auf, daß die Schrift mit dem Kugelschreiber plastisch durchs Papier gedrückt war; das muß ja die Hand anstrengen und Du schreibst ja so viel! Möchtest Du nicht wieder zur Bremer Börsenfeder zurückkehren? Es ist freilich jetzt meist nicht solche von Firma Soennecken vorrätig, sondern von Brause, die doch vielleicht nicht so gut sind. Man würde mir aber die echten direkt kommen lassen, wenn ich sie bestellte. Ich schicke Dir hier einige von jeder Sorte, denn ich
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| hatte noch die 2 von den alten! Es wäre mir eine große Freude, wenn ich sie bestellen dürfte, wage es aber nicht ohne freundlichen Auftrag, falls Dirs zusagt. Ich bin doch so gut bei Kasse, wie Du weißt, und danke Dir herzlich für die zwei letzten Sendungen vom 20. und 30. Juli – ich wüßte nicht, wofür ich es lieber verwendete, als für ein kleines Liebeszeichen, leider immer nur sehr kleines!
Die einzige Gelegenheit sonst ist ja nur Hanne H., die in einem ständigen Wechsel von Besserung und Rückfall ist. Es ist nach meiner Ansicht eine hoffnungslose Sache. Die Untersuchung in der Klinik hat keinen Befund an den Organen Herz, Lunge, etc. ergeben, aber sie hat dauernd neue Infektionsherde in den Knochen. Es ist ein Elend. Aber sie freut sich über jeden Besuch und da fahre ich öfters hin.
Außer Deinem lieben Brief hatte ich kürzlich
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| wieder mal von Mädi, der getreuen, Nachricht. Aber wie es mit dem Pflegesohn wird, ist ja nicht abzusehen. Ob, wie Ruges hoffen, die vorübergehende Erziehung in geordneter Familie bei diesem und seinem Bruder, der bei der andern Rugetochter solange war, von dauernder Wirkung bleibt, ist ja sehr fraglich. Hilde, die ja aus Berka gebessert entlassen wird kann im September eine eigne Wohnung mit den Kindern beziehen. Ab Januar 57 aber wird sie wohl wieder halbtägig Beruf ausüben, und überhaupt, wird sie inzwischen Talent zur Kindererziehung entwickelt haben? So kann man eigentlich nur in Sorge sein, und ich habe soviel Zeit zu grübeln.
Bei uns war durch den Urlaub der Schwester Maria auch die gewohnte Ordnung etwas gestört, aber wir hoffen, daß sie am Sonntag wieder herkommt. Auch bei Euch geht ja Ida schon am 6.8. fort und Ihr erst am 14. – wenigstens dann nach Lenzkirch zur Erholung in erwünschter Umgebung.
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Daß Ihr Bährs so selten bei Euch seht, bedauere ich eigentlich. Ich hatte mir eingebildet, sie wären Euch ein regelmäßiger Familienverkehr geworden, wie es doch bisher immer fehlte. Das hatte ich Euch so gewünscht! —
Was ist das mit einem Pestalozzi-Ms. von Frl. Silber? Ich lese gerade wieder mit lebhaftem Anteil ihre Dr-Arbeit über die Frau P.-Schultheß. Wird Frl. S. nicht auf ihrer Rückreise auch über Heidelberg fahren? Ich würde mich sehr freuen, sie mal wieder zu sehen. Meine Schwester Aenne und ihr Mann haben für den Gynäkologenkongreß vom 17.–23. Sept. bei Rodrian Zimmer bestellt. – Ob das mit meinem Umzug zusammen fällt, ist noch ungewiß. Wir haben noch keine sichere Auskunft. Als ich neulich in das Büro ging, war der Missionar bis zum 7. August gerade in Urlaub. – Und jetzt will ich diesen Brief schnell schließen um ihn noch auf die Post zu bringen. Aber es regnet gerade wieder. <li. Rand> Da ist es nicht schlimm, daß noch kein Urlaub ist!
<li. Rand S. 3>
Grüße vielmals von mir, und sei selbst wie immer innig gegrüßt von
Deiner Käthe.