Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 15. August 1956 (Heidelberg)


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Heidelberg, 15.8.56.
Mein geliebter Freund!
Seit gestern seid Ihr nun hoffentlich in der "Ferienruhe", und ich wollte Euch da eigentlich begrüßen, aber allerlei unvorhergesehene Zerstreuung hinderte mich, rechtzeitig zu schreiben. Aber mit Freude beobachte ich in den letzten Tagen die bessere Tendenz des Wetters und so hoffe ich, sollen Euch auch endlich sonnige Stunden in guter Luft beschieden sein. Freilich die Revolution da oben in den Lüften bleibt nach wie vor.
Heut war Hedwig Mathy so freundlich, mich bei ein paar Wegen in die Stadt zu begleiten. Da mußte ich auch auf die Orts-Krankenkasse. Die Fülle der Wartenden schreckte mich aber ab, und man wurde energisch angewiesen, um 2 Uhr wiede[über der Zeile] rzukommen, da wäre niemand da!
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| Ich stieß also mein Programm um, das mit Hedwig gemeinsam über Mittag geplant war, aß um 12 hier im Heim und ließ mich vom Wecker rechtzeitig aus der Mittagsruhe scheuchen, um auf der Kasse zu hören, es ist ja Zeit bis zum September, da haben Sie noch lange die Möglichkeit, wiederzukommen. Da habe ich aber aufbegehrt, und der Beamte erklärte dann, sie würden ins Heim schicken und die Schwester könne die Auskunft geben. – Die Verfügungen der Kasse sind grundlegend geändert. Aber ich beziehe die Rente seit 37!, und die Kassenmitgliedschaft war seitdem automatisch angeschlossen. Aber überall ist anscheinend Confusion! — !! Aber im übrigen ist es jetzt hier friedlich und nett, seit Schwester Maria erholt wieder da ist. Von dem Balkon habe ich wenig gehabt, nur zweimal konnte ich mit Lotte Reinhard ganz gemütlich draußen sitzen.
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Doch am Montag war ich mal wieder in Rohrbach, nur zu einem Mittag und Kaffee bei Frau Heinrich und Schwester. Das war auch nett, und man fühlt sich wohl bei ihnen. – Buttmis sind leider stellvertretende "Eltern" bei den Enkeln in Hamburg. Es gibt eben keine Tanten mehr zur Aushilfe. Jeder hat sein ausgefülltes Leben für sich.
Die Ansichtskarte vom vorigen Jahr mit dem Hotel Vogt habe ich wieder vorgesucht, da ist doch unmittelbar etwas Grünes. Es war mir recht neu und etwas kahl in der Erinnerung. Hoffentlich ist es innen umso angenehmer; ich glaube, es gefiel Euch im vorigen Herbst? – Ob Euch Kate Silber dort besucht? Ich würde mich herzlich freuen, Sie auch einmal wieder zu sehen, und hoffe ein wenig, daß ihre Verbindung mit Schmeil dazu verhelfen könnte!
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Im Heidelberger Studio ist eine Wissenschaftliche Sendereihe jeweils Sonntags um 10 Uhr angekündigt: am 14. Okt. Dein Aufsatz "über die Ehrfurcht", von dem ich s. Z. hörte, als er entstand. Hoffentlich fällt das nun nicht gerade in meinen Umzug! Aber dann bin ich ja nahe bei Hedwig und bei Franzens, die Radio haben. – Gretel Franz scheint sich gut erholt zu haben! Aber ob Hanne H. mit ihrem zähen Lebenswillen Recht behält, ist mir sehr zweifelhaft. –  –  –
Meine Kenntnisse in der Medizin reichen nicht hin zu einem Urteil über die Feststellung von Landenberger: Blutdruck 110–170. Wie ist das zu verstehen, war das bei verschiedenen Untersuchungen? Oder im Zeitabstand an einem Tage? Leider ist mein medizinischer Ratgeber Norbert Matussek nach München gegangen.
Aber ich möchte gern diesen Gruß heute noch drüben in den Kasten stecken, dann geht er am 16. gleich um 6 Uhr fort und die innigen Grüße und Wünsche kommen möglichst bald <li. Rand> zu Dir. Die letzte Zeit in Tübingen ohne Ida wird auch für Susanne <li. Rand S. 3> besonders anstrengend gewesen sein. Also tut das Eurige an Erholung <li. Rand S. 2> und haltet Euch Störungen möglichst fern. In stetem Gedenken
Deine
Käthe.