Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 24./25. August 1956 (Heidelberg)


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Heidelberg. 24/25.8.1956.
Mein geliebter Freund!
Statt besser wird das Wetter täglich übler und ich denke mit lebhafter Teilnahme an Euren so problematischen Erholungsaufenthalt. Ein Trost ist mir, daß er wenigstens gemütsmäßig erwünscht ist. Da werden vielleicht auch die verschiedenen Besucher eine angenehme Unterbrechung sein! Wie wird es mit der beabsichtigten Heimkehr? Eine Verlängerung ist wohl für Lenzkirch ausgeschlossen, selbst wenn dort sich die Möglichkeit bieten würde?
Hier bei mir war äußerlich und innerlich recht wechselnde Stimmung. Aber Dein Verdacht, ich sorge nicht für die nötige Wärme, ist diesmal nicht zutreffend gewesen und
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| außerdem erwärmt mich schon Deine liebe Fürsorge! noch außer dem Öfchen!
Nach Hermanns Abreise hatte ich noch eine ziemlich schwierige Zeit innerer Überwindung, aber schließlich fand ich doch die rechte Stimmung zu einem ehrlichen aber herzlichen Schreiben, auf das ich wendend eine warme Antwort bekam, die mir nun über diesen Knoten forthalf.
Statt dieser Kümmernis kam eine neue. Frl. Reinhard blieb zweimal am Donnerstag aus, und so ging ich heut in die Psychatrische, um mich nach ihr zu erkundigen. Da war die Auskunft sehr unbestimmt und dunkel, aber ich ließ mich nicht abweisen, trotzdem blieb mir auch, als ein Assistent? sich freundlich einmischte, der Tatbestand dunkel. Sie sei "in der Klinik" – in welcher? – und müsse ganz
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| ruhiggehalten werden. Sie habe ja schon länger Herzbeschwerden. Aber es sei nicht Gefahr – da kann man sich nun allerlei ausmalen! Jedenfalls weiß ich, daß sie beim letzten Zusammensein allerlei seelischen Druck hatte.
Von da an ging ich die lange, lange Bergheimer Str. zu Hanne H., der ich zum Geburtstag gratulierte. Man kann es mit einem gewissen Vertrauen, obgleich ja die Besserung nur eine relative ist. Es sollte mich sehr freuen, wenn Du Recht behieltest, ohne daß schwere Rückfälle kommen!
Morgen will mich Renate Klauser zum Kaffee besuchen, das freut mich, denn ich habe sie lange nicht gesehen. – Frl. Ingold ist für einige Tage hier, ehe sie das neue Amt in Buchen etc. antritt. Sie hat dort angenehme Wohnung gefunden. Schade, daß sie weggeht.
Von Hedwig Mathy sehe ich garnichts. So ist der tägliche Umgang recht gelichtet. Aber im Hause ist der Verkehr freundlich und nett.

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25.8. Heut war es sehr stürmisch, aber jetzt, gegen abend hatten wir angenehme Sonne; und das Kaffeestündchen mit Renate Klauser war erfreulich und ergiebig. Von ihrer Ott-Heinrich-Tätigkeit hat sie mir ihren Beitrag für die Festschrift geschenkt. Es war mir ein Anliegen, ihr das Bild ihres Großvaters recht lebendig zu überliefern. —  —
Mit Dir würde ich gern auch mal wieder "sprechen" können, sogar auch in Bezug auf Politik, aber auch "andererseits". Eigentlich hoffe ich auf eine kurze Nachricht darüber, wo Dich ein Gruß von mir am 31. erreichen kann? Nun, auf alle Fälle kommt er an!!
Auch heut will ich recht herzliche Grüße an Euch beide Reisende schicken und hoffen, daß Ihr vor Nässe und Kälte geschützt bliebt. Mögest Du verstanden haben auch in der kurzen Zeit die nötige Ruhe zu finden und wieder mit Zuversicht in den reichen Wirkungskreis zurückgehen. Immer mit liebevollen Wünschen bei Dir
Deine
Käthe.