Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 11. Oktober 1956 (Heidelberg)


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Heidelberg, 11. Okt. 1956.
Mein geliebter Freund!
Immerfort steht mir die Karte mit der fremden Handschrift vor Augen, die mir die betrübende Nachricht von Dir brachte, und ich male mir aus, welch große Geduldsprobe es für Dich ist, mit den bösen Schmerzen ganz untätig im Bett zu liegen. Hoffentlich wird das wenigstens recht schnell Besserung bringen. Es kann ja günstig erscheinen, daß Du bei der unzuverlässigen Witterung nicht reisen mußtest, aber auf diese Art sollte die Verhinderung nicht sein. Und es war doch gerade eine interessante Situation, in der Du Stellung nehmen wolltest; Ich wäre sehr dankbar, wenn Susanne mir, nur per Karte, von Besserung melden könnte. Ich bitte recht herzlich!
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Das fortwährende Verschreiben zeigt Dir, wie müde ich bin, denn heut war ich in Umzugssorgen den ganzen Tag mit Hedwig M. zusammen. Sie half mir, das künftige Zimmer zu besichtigen, und auszumessen! Es ist sehr viel schlechter zu möblieren und wird sehr eng werden. Aber ich hoffe noch immer mehr zu lichten. Sonst hatte ich dort recht angenehme Eindrücke; ich war zum erstenmal im Haus, das durchaus noch nicht so bezugsfertig ist, wie man erklärt, aber die Handwerker arbeiten eifrig. Tapeten und Vorhänge sind geschmackvoll – aber natürlich uniform. Einzelheiten folgen darüber demnächst, nur die Tatsache möchte ich noch melden, daß ich mich doch zum Anschluß an den allgemeinen Transport entschlossen habe.
Heut schreibe ich nur, um Dir einen kleinen Besuch zu machen, was ja in Person unmöglich ist. Ich wünsche uns beiden größtmögliche Tapferkeit in dieser schwierigen Zeit!
<li. Rand>
Herzliche Grüße an alle, und innige Wünsche Dir von Deiner
Käthe.