Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 13. Oktober 1956 (Heidelberg)


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Heidelberg. 13. Okt. 56.
Mein geliebter Freund!
Das war heut eine rechte Wohltat, als Deine liebe Karte kam! Ich hatte mich recht gesorgt wegen mancher Consequenzen. Diesen geschickten Arzt müßt Ihr Euch recht warm halten. Durch welche Vermittlung kamt Ihr denn an ihn? Einem Laienverstand hier in der Ferne will es erscheinen, als ob Du Dir im Ganzen nicht genug Schonung angedeihen ließest. Da muß schon solch Zwischenfall kommen!
Daß Du endlich den Termin hier erfahren möchtest, verstehe ich nur zu gut. Ich war schon recht nervös dabei geworden, Inzwischen wird Dir wohl schon aus meinem Bericht, der mit Deiner Karte kreuzte, hervorgegangen sein, daß in der nächsten Woche noch nicht Umzug sein wird, denn der Tag soll uns eine Woche vorher gesagt werden,
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| also keinesfalls vor dem 20., aber vielleicht am 22.?? Das kann sich also in den nächsten Tagen ergeben. – Ich habe immer mit Bangen die Tage gezählt, denn Du erwägtest schon kürzlich den 20. als irgenwie entscheidend. Was nun meine Ansicht von der Sache ist, so schätze ich ein Zusammensein hier doch noch für günstiger als eine noch ungeordnete Umgebung in neuen Verhältnissen. Aber ich weiß ja nichts Näheres über Deine Pläne. Wenn eine Verschiebung in der Möglichkeit liegt, dann wäre es gewiß für Dich nur gut. – Das neue Haus, das ich vorgestern zuerst sah, ist gleichmäßig warm, aber der Anblick der Möbel muß doch erst zu einer sachverständigen Ordnung gebracht werden und der Inhalt verteilt sein. Sobald ich bestimmte Auskunft habe, vermutlich im Lauf der nächsten Woche, werde ich telegraphieren.
Zunächst kommt nun also Gretel Schwidtal am Montag, die bestimmt eher hilft als
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| stört. Sonst hatte ich die Möglichkeit, unerwünschte Hilfe abzulehnen und tatkräftige Unterstützung von Hedwig und Frau Buttmi zu genießen. Besonders Letztere hat eine durchgreifende Energie, die mich beinah erschöpft. Aber es "fleckt",
Natürlich bringt das ganze Ereignis auch für mich manche Anstrengung. Aber es ist merkwürdig, wie die Leistungskraft wächst bei guter Stimmung, so heute durch einen unerwarteten Besuch von Hedwig.
Und morgen um 10 Uhr hoffe ich bei ihr zu sein, um Deinen Vortrag im Rundfunk zu hören. Ich ziehe das vor, gegen eine Gefälligkeit hier im Heim! Und bald steht mir ja ein Wiedersehen bevor — nur suche es möglichst ungestört und gesund für Dich einzurichten, denn sonst haben wir alle beide nichts davon. Ich sehne mich recht danach, denn das ist die eigentliche Hülfe für mein Leben.
Eine wichtige Frage ist nun noch ob es geht daß ich Dir ein verschließbares Holzkistchen mit gesammelten Drucksachen von Dir, etwa als
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| Eilgut zuschicken darf? In dem kleinen Raum ist künftig kein Platz mehr dafür und sonst weiß ich es nicht unterzubringen. Wir dürfen nur einen Koffer auf den Bodenspeicher stellen, und da wäre es für mich unzugänglich.
Ich will jetzt den Brief noch fertig machen, um ihn morgen früh mit auf die Post zu nehmen auf dem Wege zu Hedwig. Das ist für mich schon fürs Ausgehen eine frühe Stunde, denn ich bin bekanntlich recht faul und verschlafen. — Was wirst Du wohl beschließen? Ists auf dem Wege zu Holzhausens, daß Du unterbrichst, oder soll es per Sonntagskarte sein?
Ich bin froh, daß es Frau Tierok besser geht, von Héraucourts hörte ich weiter nichts. Hoffentlich geht es Euch dreien jetzt wieder gut! Ich grüße herzlich und bin trotz all der Unruhe, die meinen Kopf verwirrt, immer mit dem Herzen
Deine
Käthe.