Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 11. Dezember 1956 (Heidelberg)


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Heidelberg, 11. Dez. 56.
Mein geliebter Freund!
Die liebe Karte von Freudenstadt erfreut mich auch durch die Nachricht von der Ankunft des Schlüssels und nun kam gestern auch noch der Brief mit vielseitigem Inhalt. Ich danke Dir herzlich! Möge die besuchsreiche Zeit Dir recht erfreulich und ohne Anstrengung verlaufen. Ich habe oft schon gedacht, daß Euch leider ein Freund-nachbarlicher Verkehr fehlte, und das wären wohl bis zu gewissem Grade Bährs jetzt. Aber nun scheint es wohl gleich etwas viel mit den Tübinger Kollegen!
Der Name der Elisabeth Borries ist mir noch gut in Erinnerung, aber von einem Hans Künkel habe ich keine Ahnung und von dem Bohémien-Kommunisten weiß ich garnichts, und habe auch in der Zeitung
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| nichts gelesen. Vielleicht ist da um den 6.I. eine Gelegenheit mich aufzuklären.
Jedenfalls ist es mir eine recht tröstliche Aussicht, daß Du herkommen willst, und ich sage mit Dir: möge es ausführbar sein! Für mich gab es in der letzten Zeit nicht nur die tiefgehende Umstellung, sondern so allerlei Versager. Einer nach dem andern von dem freundschaftlichen Verkehr fiel aus, teils durch Krankheit, teils durch Versetzung und Reise. Und jetzt fällt auch der wöchentliche Verkehr mit Héraucourt's fort, weil ich nicht mehr den Elan zu dem Weg habe. Es sind da so unangenehme Straßenübergänge.
Auch die freundliche Nachfolgerin von Frl. Dr. Clauß ist mir kein Ersatz. Aber das kann wohl noch werden! Vorläufig komme ich mir etwas wie ein Versuchskaninchen vor.
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In welcher Art macht sich denn das Herz bei Dir unliebsam bemerklich? Ich merke eben davon weniger, aber genieße besonders die Wirkung von echtem Kaffee!
Du rätst mir so dringend Briefschreiben zu vermeiden, daß man beinah meinen könnte, Du wollest damit verschont bleiben. Aber Du bist [über der Zeile] der Einzige und gerade an Dich liegt mir's "am Herzen" und Karten schreibe ich sehr ungern und eigentlich nur zu schnellen Verabredungen. Darum nimm es "in Gnaden" hin und sei innig gegrüßt von
Deiner
Käthe.
Auch noch herzliche Grüße an "alle" und viel gute Wünsche!