Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 17. Februar 1957 (Tübingen)


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<Beiliegend: Zeitungsartikel über den ältesten Bürger Sandhausens>
Tübingen, den 17.II.57.
Meine geliebte Freundin!
Es ist mir nicht leicht gewesen, gestern gegen 18 Uhr durch Heidelberg zu fahren, ohne Dich aufzusuchen. Aber das ist nun einmal so: die Kräfte werden immer mangelhafter.
Wir sind – nach meinem Seminar – am Donnerstag 14.II. um 12 hier abgefahren und waren um 18.40 in Bonn. Die Sitzungen dauerten am Freitag von 9–19 (mit 1 Stunde Mittag) und am Samstag von 9 bis gegen 14. Es war besonders
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| angreifend, immer Dinge mit anzuhören, deren Zusammenhänge und Wirkungen man nicht aus der eigenen Erfahrung kennt. Am 2. Tage drang ich mit meiner Ansicht auf der ganzen Linie durch. Die beiden Herren aus dem Bd.I. sind mir übrigens sehr ergeben.
Am Freitag hat Susanne erst die Tochter ihres gefallenen Bruders Heinz besucht, deren Mann bald wieder einen Zerstörer führen wird. Dann war sie bei Litt und Frau (für die mir keine Zeit u. Kraft blieb), und schließlich noch bei Frau Prof. Jung, die ich diesmal auch nicht gesehen habe. Am Samstag Vorm. war sie mit der Frau des
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| Historikers Rothfels [über der Zeile] (Meineckeschüler) zusammen, deren Gatte auch zu unsrer Komission gehört. (Parteienrechtskomission, nichts von Pour le – Mour le, hoh?) Der Zug zurück ging über Rüdesheim, Geisenheim, Hattenheim, Nieder-Walluf – Wiesbaden (cf.1939!) – dann DarmstadtHeidelberg
Mir ist nichts bekannt von einer Rundfunkübertragung eines Textes von mir Das werden Héraucourts auch nur geträumt haben. Am 2.III ist wieder etwas (Altes!) in Radio Bremen. Den werdet ihr in H kaum hören können.
Der Bildhauer Halbritter kommt weiter. Am Dienstag wird kaum jemand auftauchen. Mittwoch muß ich wieder nach
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| Eßlingen. Donnerstag ist das letzte Seminar, ich glaube doch: "das allerletzte".
Jetzt kommt die Zeit der rauhen Winde, die müde machen. Du wirst Dir, wenn Du ausgehst, geschützte Straßen suchen. Ganz soll man das Ausgehn nicht unterlassen, ehe es unbedingt auferlegt ist. Blut und Glieder bedürfen der Bewegung.
Neulich ist ein Brief für 3,65 M Porto nach Japan abgegangen. Es ist wieder sehr lebhafte Verbindung. Schmeil reist jetzt nach Taormina.
Hier liegt der Rest Deiner Februar-Apanage bei. Ich wünsche gute Tage und hellen Abendhimmel. Ida, die immer grüßt, sieht schon besser aus. Susanne <li. Rand> grüßt herzlich.   Stets dein   Eduard.