Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 5. April 1957 (Tübingen)


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Tübingen, den 5. April 57.
Meine geliebte Freundin!
Unser kurzes Zusammensein war sehr schön. Ich hoffe, daß es Dir auch gut bekommen ist. Den "Rosengarten" wollen wir für künftig im Auge behalten. Bequemer kann man es wirklich nicht haben.
Wie Dich noch Frau Frobenius besuchte, erwartete mich im Dzug der Kollege Helmuth v. Glasenapp, Vetter von Ibi. Von Stuttgart an fuhren wir zusammen. Susanne kam 1½ St. später nach Hause und war von dem kurzen Besuch in Alpirsbach ebenfalls sehr befriedigt.
Meine Verdauungsbeschwerden hielten an, so daß ich am Dienstag
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| den Dr. Schwägerle noch einmal zu mir bat. Er empfahl eine Röntgenaufnahme, die am Mittwoch früh sogleich gemacht wurde. Schon unser Röntgenologe, Prof. Bauer, sagte, er habe nichts Schlechtes gefunden. Ein Ulcus liege nicht vor, wohl aber ein ausgesprochener "Kaskadenmagen." Das ist eine Abstufung im Magen, die die Speisen nur stufenweise hinabgehen lasse. Damit verbinde sich leicht eine Gastritis, d. h. Entzündung der Magen-Darmschleimhäute. Das stimmt ganz mit subjektiven Symptomen überein, die ich seit Jahren habe, und ist eine Erinnerung an Wilhelmshöhe, aber wohl auch ebenso "überflüssig wie ein Kropf." Am Nachm. hatte Schw. schon das Bild und um 17½
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| war er selbst da, um die Diagnose zu bestätigen. Wenn doch alle Leidenden so prompt behandelt würden wie die Professoren! "Kein Krebs" – das darf wohl als wahr gelten, selbst wenn sich die Ärzte über so etwas nicht zu äußern pflegen.
Das allgemeine Befinden bleibt trotzdem schwach.
Hedwig Koch ist gestern gekommen. Wir waren am Nachm. in Bad Niedernau. Heut kommt sie noch einmal. Am Nachm. finden die Reisevorbereitungen statt. Jedenfalls wollen wir morgen früh nach Zürich, Hôtel Urban, Stadelhofenerstr. Dort bleiben wir mindestens bis Montag Mittag. Vom Befinden hängt es ab, ob wir dann noch eine Woche "irgendwo" in der Schweiz bleiben. Die Adresse wird sogleich mitgeteilt.
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Heute ist nun noch ein etwas bunter Tag. Alle im Hause sind etwas abgehetzt, vor allem Ida, aber auch Susanne. Deshalb kommt heute nur eine Fülle von guten Wünschen und herzlichen Grüßen. Laß es Dir gut gehen und pflege Dich!
Innigst Dein
Eduard

[] Hedwig Koch grüßt auch
[] Den Katalog der Bugra von 1914 besitze ich auch noch