Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 8. April 1957 (Alpirsbach/Hotel zum Löwen)


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Alpirsbach, Hôtel zum Löwen.
11.IV.57.
<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
Rümelinstr. 12>
Meine geliebte Freundin!
Der Frühling hat sich wieder beurlaubt; wir haben heute hier 6°. Da die Darmstörung, die mich von der Schweiz weggetrieben hat, sich hier wiederholt hat, bin ich gestern mit Rudolf Heß zu einem hiesigen Arzt gegangen, der einen ausgezeichneten Eindruck macht. Er hat allerlei Diätvorschriften gegeben, die in einem Hôtel nicht ganz leicht zu erfüllen sind. Aber zu Hause ist der Reinigungsteufel und nicht einmal der Dr. Schwägerle, dessen Studiengenosse übrigens der hiesige Dr. Wesle ist. So werden wir wohl mindestens bis Montag im "Löwen" bleiben.
Ich bin sehr begierig zu hören, wie es Dir geht. Mein Fall ist für den Moment harmlos, weil neben der Störung immer der beste
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| Appetit besteht.
Heuß, dem ich eben eine Ansichtskarte geschrieben habe, hat leider auch nicht das beste Wetter. Eigentlich bereue ich nicht, so schnell aus der Schweiz zurückgekehrt zu sein. Die Preise sind enorm (z. B. ein Schnitzel mit Beilage 6,80). Wenn man sich im Essen schonen muß, bezahlt man sie ungern.
Ich werde von hier keine langen Briefe schreiben. Es gibt in dem Dir bekannten Hause keinen Stuhl, der zum Tisch paßt, und auch nicht umgekehrt (womit ich auch zufrieden wäre.) Aber natürlich denke ich immer an Dich, zumal da so vieles an die Tage erinnert, in denen wir noch leichten Fußes über die Berge hierherkamen.
Alle Bauchsachen machen schlechte Stimmung. Gestern war noch Sonne. Heute kann man nur draußen sein, wenn man marschiert. Susanne grüßt herzlich. Ebenso Dein getreuester
Eduard

[li. Rand S. 1] Soeben bringt Sus. Deinen l. Brief herüber. Laß bitte das <re. Rand> Trinken der minderwertigen Weine. Frl. Dr. wird Dir gute nennen!