Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 16. April 1957 (Tübingen)


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Am 90. Geburtstag des Onkels Conrad.
<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
Rümelinstr. 12>
16.IV.57.
Meine geliebte Freundin!
Gestern Nachmittag sind wir hier wieder eingetroffen. Bei der Kälte und der Diätbedürftigkeit hatte ein weiterer Aufenthalt keinen Zweck. Wir sind diesmal von A. mit der Post nach Oberndorf gefahren (über die Höhe, die wir einmal zu Fuß bewältigt haben); dann mit der Bahn Oberndorf – HorbTübingen. 3 Stunden zum gleichen Preis, aber eine Abwechslung.
Ich habe noch schauderhafte Tage gehabt. Die Stopfvorschriften des Herrn Dr. Wesle (Bordeaux, Tee etc.) hatten nur zu guten Erfolg. 84 Stunden völliger Schluß des Betriebes! Dann eine qualvolle Entlastung. Ganz, wie Du es am 31.III formuliert hast. Ich habe so etwas noch nicht erlebt. Natürlich ist die Regelmäßigkeit noch nicht wiederhergestellt. W. hat vorher das Produkt untersucht. Auch hier nichts Schlechtes. Die Behandlung geht auf Herstellung
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| einer besseren Darmflora (Enzynorm.) Es bleibt aber die eine Stelle im obersten Darm, die mir Bedenken (u. leichte Schmerzen) verursacht. Damit werde ich mich wohl noch weiter beschäftigen müssen. Auch die Augen sind in den 9 Tagen schlechter geworden. Kurz: ein allgemeiner Tiefstand, auch der Stimmung. Susanne u. ich sind nur 2mal in den Wald gekommen.
Dem armen Frl. Héraucourt geht es noch schlechter. Bitte grüße sie mit dem Ausdruck meiner Teilnahme!
Ich freue mich, daß Du ein "Lamm" gefunden hast. Mit meiner Reiselust sieht es aber schlecht aus. Am 27. oder 28. müßte ich nach Bonn. – Heuß habe ich aus Alp. eine Postkarte[über der Zeile] Ansichts- geschickt.
Ein mich erfreuender Brief ist vom Reg. Bürgermeister von Berlin Suhr gekommen. Sie hat mich in Leipzig gehört. Binswanger und Schadewaldt (letzterer hier) grüßten aus Brissago. Dort soll es aber auch kalt gewesen sein.
Du brauchst einen Wein, der nicht aus der "Kunststopferei" stammt. Burgunder oder Rheinwein haben diese Wirkung nicht. <re. Rand> Vielleicht aber ist ein Südwein anregender. Nur kein unechter! Soll ich Dir mal einen guten Sherry schicken? Er ist allerdings etwas herb. Malaga oder Portwein wären etwas süßer.
<re. Rand S. 1> Zu Ostern haben wir vorläufig nichts vor außer einem Besuch bei Bährs. Er war gestern schon da. Jetzt muß ich wieder 3 Kondolenzbriefe schreiben. Gute Wünsche von uns <li. Rand S. 1> beiden!  Innigst Dein   Eduard
[Kopf S. 1] Lieben Brief noch unmittelbar vor Abreise erhalten.