Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 3. Juli 1957 (Tübingen)


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Tübingen, den 3. Juli 57.
Meine geliebte Freundin!
Zweierlei Rosen am 27. Juni! Ein Bild der Doppelseitigkeit des Lebens, besser der Verflochtenheit des Lebens in den Tod!
Auch über uns lag während der "Festtage" immer ein stiller Druck. Der kleine Bähr war gefährdet, weil er nicht genug zu sich nahm. Aber nun scheint er über den Berg. Der Vater hat Dir aus eigenster Initiative die Blumen geschickt. Wenn Du Ihm ein Kärtchen schreiben könntest, wäre er glücklich. (Tüb, Eduard Haberstr. 5.)
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| Er ist ein unvergleichlicher Mensch, ein Freund im allertiefsten Sinne. Bescheiden im Hintergrund bleibend, – auch bei seiner Sendung am Abend des 27.6. – hat er unendliche Mühe als Organisator gehabt. Vor allem aber als Redaktor beider Festschriften. Die eine, die nur heißt "Eduard Spranger", (an deren Spitze Heuß steht) ist ein wunderbares Werk nach den wenigen Proben, die wir bisher lesen konnten. Du wirst sie bald bekommen. Die halbe Welt ist darin enthalten.
Aber sonst ist auch diese Freude doppelseitig. Wie soll ich das alles bewältigen? Bisher sind nur Briefe, Telegramme
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| und Geschenke notdürftig sortiert. Gestern kam noch ein eigenhändiger Brief von Albert Schweitzer aus Lambarene. Beantwortet sind mit Handschrift bisher nur die Grüße von Adenauer, Heuß, Gebhard Müller, Simpfendörfer, Bundesminister Schröder. Die Temperatur ist für Anstrengungen nicht günstig. Aber ohne das Wichtigste getan zu haben, wäre auch keine Erholung möglich. Auch sind hier noch zu erwarten Louvaris und Frau Meinecke.
Schmeil und Niemeyer haben sich [über der Zeile] als höchst großzügig erwiesen. Aus Berlin kamen 2 Abgesandte.
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Die Blumen sind nun dahin. Ida hat sie lange sorgfältig gepflegt.
Eine Freundin meiner Mutter, so aus der Zeit 1888–1893, hat mich durch ihr Gedenken besonders erfreut. (Verkäuferin in unsrem Geschäft.)
Ehe wir zurückkehrten, waren wir noch mit Wachsmuth auf der Solitude und bei Frl. Lampert.
Mein Bericht ist wirr, wie mein Kopf. Vermeide es, Dich bei Sonne und zu großer Schwüle zu exponieren. Und behalte Nachsicht mit Deinem sonst sorgfältigen Korrespondenten!
Mit Grüßen der Rümelinstr.
innigst
Dein
Eduard

[li. Rand] Von den "Sprangers", die geschrieben haben, wirft sich eine als Verwandte <über der Zeile> auf!