Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 15. Juli 1957 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
Rümelinstr. 12>

15. Juli 57.
Meine geliebte Freundin!
Heute kam Dein lieber Brief, für den ich Dir von Herzen dankbar bin. Du hättest nun auch den Anspruch, wieder einmal einen richtigen Brief von mir zu erhalten. Aber ich muß an Deine Nachsicht appellieren. Wetterlagen und Dankverpflichtungen haben mich ziemlich heruntergebracht. Ich habe einen Puls unter 60 und fühle mich schwach. So weit es möglich ist, schone ich mich und lasse Susanne die schwere Last tragen. Aber es ist natürlich so: ehe nicht die ganz große Masse der Drucksachen aus dem Hause ist, komme ich mit dem
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| Gemüt nicht in Ordnung. Man muß also – balanzieren.
Auch Dir werden die Gewitterstimmungen zugesetzt haben. Ich weiß nicht: hat das Wetter sich so geändert oder sind wir nur so viel empfindlicher geworden?
Zu berichten wäre übrigens von hier nichts. Wir kommen nur wenig aus dem Hause, sondern arbeiten von früh bis spät. Besucher waren bis jetzt auch nur spärlich. Wir kämpfen wie Schwimmer gegen den Strom. Das Ziel ist, endlich ab 27. Juli ein wenig Erholung zu finden.
Die Festschrift, die Du in den Händen hast und die Bährs Werk ist, ist in jedem ihrer Abschnitte eine Erquickung.
Viele gute Wünsche wie stets und die wiederholte Bitte um Geduld.
Alle grüßen Dich mit Deinem
getreuen
Eduard

[re. Rand] Akademie, Universität, Lehrerschaft in Heidelberg haben sich diesmal mit freundlichen Zurufen sehr hervorgetan.