Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 19. Juli 1957 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
Rümelinstr. 12>

19.7.57.
Meine geliebte Freundin!
Täglich frage ich mich, wie es Dir gehn mag. Die atmosphärischen Verhältnisse sind für einen alten Organismus recht unerfreulich. Man muß sehen, daß man sich noch notdürftig beisammen hält.
Ich bin, wie gesagt, ziemlich am Ende. Aber wenigstens ist der Druck von der Seele her leichter geworden, denn vorgestern sind etwa 700 Drucksachen, überwiegend mit 5 Worten sehr individuell gezielten Zusatzes, abgegangen. Die eigentlichen Briefe, selbst geschriebene und diktierte, schätze ich auf 150.
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| Weitere 50 Drucksachen sind noch gefolgt. Es bleiben etwa 100 Adressen, die noch vor der Reise etwas bekommen sollten.
Gestern war den ganzen Tag Besuch da: Dr. Andreas v. Müller aus Göttingen. Sonntag Abend erwarten wir für einige Tage Louvaris. Morgen ist die Einweihungsfeier des Denkmals für die Grafen Stauffenberg in Lautlingen bei Balingen. Einen der Grafen, den Attentäter, haben wir ja 1944 in Neuhardenberg kennen gelernt. Schöpfer des Denkmals ist Gerhard Marcks, in dem ich bei dem letzten Pour-le-Mérite-Kapitel einen Berliner Landsmann entdeckt habe.
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Am 26.7. will Frau Meinecke kommen. Ich habe dazu die Ehepaare Rothfels und Krämer (Arabisten) ins Museum eingeladen. Am 27.7. werden wir per Bummelzug nach Lenzkirch fahren müssen. Die durchgehenden Züge sind wegen des Ferienanfangs am Samstag natürlich überfüllt.
Frl. Dr. Silber will einige Zeit nach St-Märgen gehen. Vielleicht sehen wir uns im Schwarzwald. Es geht ihr nicht gut, und auch im Kopf ist sie wunderlich geworden.
In der Festschrift ist wohl der wertvollste Beitrag der von
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| Reinhold Schneider. Lebendig ist auch der von Thielicke, poetisch der von Kaempf, historisch beachtlich die von Pretzel und Grimme. Aber eigentlich sind alle von irgend einer Seite her bedeutsam und erfreulich.
Für meine Augen ist diese Korrespondenzzeit geradezu Gift.
Ich hoffe, bald von Deinem Ergehen etwas zu hören. Für heute Schluß mit den herzlichsten Wünschen und Grüßen, auch von Susanne und Ida.
Stets Dein
Eduard