Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 25. Juli 1957 (Tübingen)


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Tübingen, den 25.7.57.
Meine geliebte Freundin!
Der beiliegende Briefteil, den ich gelegentlich zurückerbitte, zeigt, daß auch in anderen Altersheimen Mangel an Kontakt besteht. Er stammt von Frl. Hohenadel, der früheren Hausdame des Geheimrats Stumpf, die auch zu dem Nachbar Hertz (jetzt 70 Jahre) Verbindung hatte.
Das Klima des Sommers ist denkbar unerfreulich. Wir alle hier leiden sehr darunter. Zu der begründeten Müdigkeit kommt noch die atmosphärisch bedingte. Oft kann ich mich kaum noch aufrecht erhalten. Ich fürchte, daß auch Dir diese Gewitter und Güsse nicht gut tun.
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Susanne und ich haben mit einer vorzüglichen Schreibhilfe bis Sonntag die Glückwünsche, die in Briefen oder Telegrammen enthalten waren, fast restlos bewältigt. Von 1000 Drucksachen sind etwa 100 übrig geblieben, die aber auch noch langsam abgehen. Die schwierigere Arbeit, für Festschriftbeiträge und gewidmete Schriften zu danken, wird noch Monate in Anspruch nehmen.
Am Montag traf nun endlich Louvaris ein (der Dich grüßen läßt.) Wir hatten fast 4 Wochen auf ihn gewartet. Er hat diesmal Zeit und besucht uns jeden Tag ein paar Stunden.
Morgen 26.7. wird Frau Meinecke mit Tochter Ursula erwartet
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| Eigentlich hatte ich sie ins "Museum" zum Essen eingeladen, mit den Ehepaaren Rothfels und Krämer. Aber nun teilt die Tochter mit, daß die alte Dame sich dafür nicht frisch genug fühlt. Beide werden allein zu einem frühen Abendessen bei uns sein.
Am Samstag soll die Abreise erfolgen, und zwarvielleicht auf eine ungewöhnliche Art. Ein hier lebender reicher Grieche will uns in s. Auto nach Lenzkirch bringen. Louvaris kommt mit, kehrt aber am gleichen Tage um. Möglicherweise fährt auch Bähr mit. Ich kann es kaum abwarten, endlich Erholung zu finden.
Die Stauffenbergfeier in Lautlingen am 20. Juli war würdig
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| und eindrucksvoll. Der Graf York hielt eine Rede von Metall. Ich fuhr mit Rothfels und der Gräfin Dönhof hin, saß bei dem Festbildhauer Marcks und Frau, die beide Berliner sind. Leider regnete es etwas während der Ansprachen, die im Freien stattfanden.
Am Montag wollen auch die Schwestern Melzer abreisen, in die Gegend von Immenstadt (Du erinnerst Dich!) Dann steht [über der Zeile] ist das Haus ganz ohne Betreuer. Denn die Nichte Inge Horrer ist nach Horb übersiedelt. Die Adresse kennst Du: Lenzkirch, Hôtel Vogt. Frl. Silber, die sich neuerdings nicht ganz angenehm entwickelt, ist schon jetzt in St. Märgen. (Schwarzwaldkarte!)
Wenn Du irgend einen Dienst oder eine Gefälligkeit brauchst, wende Dich an Schmeil. Er hat die Festschrift, die besser gehen wird. Niemeyers ist weniger verkäuflich. Schmeil kann Dir z. B. mal sein Auto leihen. Er bittet immer wieder darum.
<li. Rand> Erst nachträglich habe ich gehört, daß Wenke am 27.6. einem Herzanfall gehabt <Kopf> hat, als er mit Bähr u. Niemeyer nach Tüb. fuhr.
<re. Rand> Ich wünsche Dir möglichst gutes Befinden u. hoffe auf regelmäßige <li. Rand S. 1> wenn auch kurze Nachrichten. Viele Grüße von allen hier Innigst Dein Eduard
[re. Rand S. 3] Am 23. oder 22. August wird eine Rundfunksendung von mir (7 Minuten) über Radio Köln sein.