Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 2. August 1957 (Lenzkirch/Hotel Vogt)


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Lenzkirch, Hôtel Vogt.
<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
Rümelinstr. 12>

2. Aug. 57
Meine geliebte Freundin!
Dein liebes Blättchen vom 25. Juli (gestempelt) ist am Morgen unsrer Abreise noch eingetroffen. Merkwürdig, daß die Wahrsagersche gerade gekommen war. Ihr verdanken wir ja die Empfehlung nach Lenzkirch' – Die Brüder Matussek haben mir noch keine Anzeige geschickt. Hingegen wollte ich Dir schon seit einigen Wochen mitteilen, daß Anna Weise mit 94 Jahren gestorben ist.
Am Morgen unsrer Abreise kam noch ein aufregender Zwischenfall. Frau Tierok, deren gefährdete Lage Dir bekannt ist, bekam furchtbare Schmerzen. Ich konnte den Arzt gerade noch sprechen. Er konstatierte später (angeblich.) Nierenentzündung und Blinddarmreizung. Wider Erwarten soll es jetzt besser gehen. Ja, die Schwestern hegen den unsinnigen Gedanken, daß sie am Montag 5. Aug. doch noch in die Gegend
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| Immenstadt reisen können.
Ein Landsmann v. Louvaris brachte uns und ihn in seinem eignen Auto hierher, bei unvorstelbaren Regengüssen. Die Fahrt dauerte 3 Stunden, mit Unterbrechung in Rottweil.
Im Hause ist es angenehm wie sonst. Das Wetter ist seit gestern glänzend, was auch Dir wohltun wird. Wir hatten schon einen Besuch aus Berlin, frühere Schülerin v. Susanne. Übermorgen treffen wir uns wohl mit Frl. Silber, die jetzt in St. Märgen ist.
Die gefährliche Überanstrengung des Juli ist wohl schon ziemlich ausgeglichen. Jedoch steht es mit dem Sehen sehr schlecht. Das Selbstschreibenkönnen wird wolhl bald vorbei sein.
Gegen die überstürzte Eile gibt es hoffentlich Mittel. Feigenpräparate befördern. Öliges schiene mir günstiger.
Den Brief v. Frl. Hohenadel willst Du mir bitte zurückschicken. Das Blumberg liegt noch hinter Bonndorf. – Anbei 2 Bilder <re. Rand> zum Behalten. Das Original steht jetzt im Rektorzimmer. Ich habe es noch nicht gesehen. Wir beide wünschen Dir gutes Befinden <Kopf> und ansprechende Besuche. Innigst Dein Eduard.
[re. Rand S. 1] Ein Dr. Vogt (80 Jahre) in Japan hat uns kostenlos dorthin eingeladen