Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 17. September 1957 (Tübingen)


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Tübingen, 17.9.57.
Meine geliebte Freundin!
Diesmal kommt wieder nur ein ganz kurzes Briefchen, als Dank für Deine beiden. Der erste hatte sich mit meinem gekreuzt, der andre kam heute früh. – Die Wahl ist also überstanden. Wenn ich auch von dem ganzen Apparat nicht viel halten kann, so scheint es mir doch gut, daß das deutsche Volk keine Lust hat, sich in ungewisse Experimente einzulassen.
Im Hause ist alles dauernd überschattet von dem unheilbaren körperlichen Leiden der Frau Tierok und von unsrem seelischen Mitleiden mit Ida, die nur ganz allmählich zu ahnen beginnt, wie es steht. Am Samstag ist noch eine Bluttransfusion von 1 Liter gemacht worden. Im übrigen reden die Ärzte um das Eigentliche herum.
Der September war melancholisch
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| wie der August. Aber eine Autofahrt mit Klemms, die bei Regengüssen begann, führte schließlich doch noch 800m [über der Zeile] hoch auf die Alb bei Reutlingen hinauf.
Verabredungen stehen immer unter Vorbehalt, und bei dem vorhin Gesagten jetzt natürlich noch ganz besonders. Aber ich will Dich nun wieder mal in Heidelberg besuchen; daneben auch Schmeil und vielleicht noch andre. Der Aufenthalt wird also diesmal ein wenig länger sein. In Aussicht genommen sind Tage ab 1. Oktober. Vorher liegen noch andre Verabredungen vor. Morgen Abend z. B. wird Frau Biermann für 3 Tage kommen. Am 27.9 ist Johanna Richter zu erwarten. Sollten 2 Tage zwischen dem 1. und 4. Oktober bei Dir nicht passen, teilst Du mir es wohl mit. Am 5. Oktober wäre Schmeil nicht in Heidelberg.
Lege Dir schon immer ein Zettelchen an, wo Du aufschreibst, was besprochen werden soll. Für heute nur <re. Rand> diese "Zwischennachricht", warme Wünsche und viele Grüße
von Deinem Eduard mit Susanne u. Ida

[li. Rand] Die Festschriften fordern nur noch 10 Briefe. Dann folgen andre "Schriften"