Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 29. Oktober 1957 (Tübingen)


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<Briefkopf: PROFESSOR DR. EDUARD SPRANGER
TÜBINGEN
Rümelinstr. 12>

29.10.57.
Meine geliebte Freundin!
Für die Nachricht bin ich sehr dankbar. Wenn das Mißbefinden rheumatisch ist, muß ich befürchten, daß auch Schmerzen damit verbunden sind. Und wie steht es mit der Beweglichkeit? Langes Liegen hat doch seine Bedenken. Du wirst die Ärztin gefragt haben, ob es nicht besser ist, zeitweise – gut zugedeckt – in dem berühmten Stuhl zu sitzen. Ich kann mir von hier aus kein richtiges Bild machen und leide unter der unvollständigen Kenntnis des Leidens, das doch nun schon fast 4 Wochen andauert. Laß mich wenigstens darauf vertrauen, daß Du alle Vorsicht anwendest! Bedauerlich ist auch, daß Frl. Dr. Clauß nicht mehr verfügbar ist, die Deine Kon
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|stitution seit langem kennt.
Frau Tierok ist heute tatsächlich im einfachen Auto nach Horb in die Wohnung der Tochter transportiert worden. Der Arzt war einverstanden, obwohl die Patientin nur noch durch Schlauch künstlich ernährt werden kann.
Wir müssen etwas zu unruhig leben. Nachdem über Sonntag Haide Heß hier war, kommt heute eine in Berlin O lebende Schülerin von Susanne, morgen Frau Biermann. Es ist auch jeden Augenblick möglich, daß Albert Schweitzer auftaucht. Dr. Bähr, der herzlich grüßen läßt, feiert am 5.XI. mit uns den 1. Geburtstag seines Söhnchens. Sonntag müssen wir nach Stuttgart etc. etc.
Abends lesen wir mit Heimatempfindungen "Vor dem Sturm". Das spielt teils in Berlin, teils im Oderbruch.
Gib Dir Mühe, jeden Tag einen merklichen Fortschritt zu machen. <re. Rand> Laß Dich auch nicht deprimieren, wenn Du Dich nach dem Aufhören des Fiebers schlechter fühlst. Das ist ja immer so. Alle hier nehmen teil. Es grüßt Dich innig
<Kopf>
Dein Eduard