Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 1. November 1957 (Tübingen)


[1]
|
Tübingen, den 1. Nov. 1957.
Meine geliebte Freundin!
Es war natürlich eine große Freude für mich, wieder Deine eigene Handschrift zu sehen. Hoffentlich war die Anstrengung des Schreibens nicht zu groß! Ich bin nun etwas näher orientiert, woran es fehlt und was zu viel ist. Die trockene Stelle im Nasen-, Stirn u. Rachenraum wird man wohl allmählich flüssig machen müssen. Ehe die Erkältung nicht kräftig "herauskommt", wie man volkstümlich sagt, wird sie sich auch nicht empfehlen. Wenn es sich außerdem um rheumatische Beschwerden an den Zwischenrippenmuskeln handelt, so ist das ebenso harmlos wie unange
[2]
|nehm. Derartiges ist nämlich schwer wegzukriegen und macht sich bei jeder Bewegung bemerkbar. Deine Ärztin wird aber auch erwogen haben, ob es nicht auch eine leichte Rippenfellreizung sein könnte. Dazu paßt die Fieberkurve, die nie sehr hoch geht. In diesem Falle ist das uralte Hausmittel: Einreiben mit grüner Seife, immer noch das Beste. Auf gleichmäßige warme Temperatur kommt es in beiden Fällen an. Ist ein elektr. Heizkissen vorhanden? Es ist leicht zu beschaffen, muß aber niedrig gestellt bleiben, weil es beim Einschlafen sonst Brandgefahr geben könnte.
Leider scheint es, als ob die Anwandlung nicht so ganz schnell vorüber
[3]
|gehen wird. Außer Vorsicht in jeder Richtung empfehle ich – statt der <Wort unleserlich> Spritzen – guten Cognac, mit Wasser verdünnt. Dieser kann von hier geschickt werden, falls Frau Dr. Edinger und Du zustimmen.
Wir sind in einer Besuchssaison. 3 gute Freundinnen sind unmittelbar nacheinander gekommen. Frau Biermann, die bei Herres hier wohnt, wird morgen vorm. noch einmal kommen. Dann muß mal wieder eine normale Lebensweise aufgenommen werden. Besonders für Susanne ist diese Campagne zu anstrengend. – Frau Tierok ist sehr matt, aber sonst gut in Horb angelangt.
Ich habe es gewagt, doch noch mein
[4]
| kleines Seminar "Zur Philosophie des Geistes" im Hause definitiv anzukündigen. Die erste Sitzung kann aber erst am 14.XI. sein.
Sonntag, wie mitgeteilt, hören wir in Stuttgart einen Vortrag von Reinhold Schneider. Es ist alles andere als das ruhige Leben eines Rétiré. Ich breche nun mit meinem Bericht ab und füge nur noch hinzu, daß ich sehr froh wäre, wenn Du auch künftig alle 2–3 Tage eine Postkarte schreiben könntest. Mehr als Angabe des Befindens wäre bestimmt nicht nötig.
Mit herzlichen Wünschen und Grüßen "von allen"
Dein gute Fortschritte bei Dir erhoffender
Eduard