Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Eduard Spranger an Käthe Hadlich, 15. Dezember 1957 (Tübingen)


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Tübingen, den 15. XII.57.
Meine geliebte Freundin!
Ich hoffe, daß Du inzwischen weitere kleine Fortschritte gemacht hast. Das Wetter wechselt allerdings unablässig, und die Sonne ist selten zu sehen. Das ist ja aber in dieser Zeit des Jahres meistens so.
Die Tage in Mannheim waren ziemlich anstrengend und ließen für Privatunternehmungen keine Zeit. Am Mittwoch nahm uns der Prokurist von Herrn Schmeil im Auto mit nach Heidelberg, so daß wir den Zug
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| gegen 15 Uhr noch erreichen konnten.
Seitdem ist es mit allerhand kleinen Verpflichtungen weitergegangen. Gestern besuchten uns Onkel und Tante von Dr. Bähr aus Hornberg. Heute Vormittag machte die Tochter der Ida Schmalenberger, geb. Budenbender, mit Mann und Tochter einen Höflichkeitsbesuch.
Am 20. Dezember soll in der Universität Münster die Gedenkfeier für den kleinen Scholz sein. Ich traue mir nicht die Kraft zu, hinzufahren. Nicht einmal die Witwe, die jetzt in
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| München lebt, ist dazu imstande. Ich habe aber ein paar wohldurchdachte Gedenkworte hingesandt, die man vorlesen mag, wenn man will. Länger als ich kann ja wohl niemand den Verewigten gekannt haben. Befreundet sind wir miteinander seit etwa 1902 gewesen.
Nun kommt eine neue Woche mit anderen Aufgaben: die 2. Korrektur des kleinen Buches, eine Sitzung in Stuttgart am 20. und eine Jahresschlußansprache daselbst im Landesgewerbeamt am 21.XII.
Susanne hat sich aus Mannheim
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| eine starke Erkältung mitgebracht, die bei einer Aufführung des "Messias" in der Stiftskirche noch verstärkt wurde. Ida ist heute wieder den ganzen Tag in Horb, wo es langsam schlechter wird.
Ich gedenke Deiner in diesen Adventstagen und wünsche Dir gute Stimmung Auch Susanne grüßt vielmals.
Dein
Eduard