Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 14. Januar 1957 (Heidelberg)


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Heidelberg. 14.I.57.
Mein geliebter Freund!
Heut vormittag bekam ich Deinen lieben Brief, gestempelt vom 13.I. um 10 Uhr, das war also knapp 24 Stunden Transport! Und er brachte die recht ersehnte Nachricht von Deiner Absicht herzukommen. Wenn damit nicht etwa eine unerwünschte Anstrengung für Dich verbunden ist, freue ich mich von Herzen und auch an allem, was sonst Gutes in diesem Briefe steht; so daß Ida dauernd Fortschritte gemacht hat, und daß sich für Eure häusliche Ordnung eine hoffentlich nützliche Hilfe gefunden hat. Eine Beruhigung ist mir auch, daß eine tatkräftige offizielle Stelle der unsauberen Sache nachspürt, und Du damit nichts zu tun haben mußt.
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Ich bin hier nach wie vor völlig untätig, nicht einmal zu den notwendigsten Briefen kann ich mich aufraffen. Da geht es immer noch "zu Fuß" besser. Der Bachlenz würde durchaus erreichbar sein und mir willkommen, als Dispensierung von der hier so anstrengenden geräuschvollen Mittagsmahlzeit. Aber Du sollst es machen, wie Dirs bequem ist. Ich habe mehrere Geschäfte rund um die Tiefburg, die ich ohne Elektrische erreiche, auch einen direkten Wagen vom Kapellenweg zum neuen Bahnhof, wie Du weißt.
Daß es bei Bährs noch immer verschoben werden muß, tut mir recht leid. Hat es noch immer Krankheitsgründe?
Aber eine Freude ist mir, daß derjenige,
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| "der nichts von der Sache versteht" in Bonn so glänzend Recht behalten hat. Ich denke mir, es wird Dir eine erfreuliche Arbeit sein, es wiederzuschreiben!
Nach vielem Schnee haben wir heute mal wieder Sonne und klare Luft, aber es sei schrecklicher Matsch auf den Straßen. Ich bringe eventuell nur den Brief in den Kasten an der Ecke. Aber die Schuhe sind wasserdicht und ich bin nicht zu Erkältung geneigt, also mache ich doch noch einen kleinen Umweg!
Im Hause sind zwei Patienten, und die vorherige ist schon durch Nachfolgerin ersetzt. Die alten Leute sind durchschnittlich schon recht kümmerlich. Dagegen bin ich durchaus noch nicht so schonungsbedürftig, wie Du meinst,
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| ich bin nur schrecklich faul!
Von Weizäcker war ein recht affektiertes Bild in der Zeitung, aber ein sehr lobender Nachruf. Matusseks waren weniger angetan.
Aber ich will diesen Brief rasch zur Post bringen, darum nur noch herzliche Grüße an Susanne, Ida und Dich!
In stetem Gedenken
Deine Käthe.