Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 13. Februar 1957 (Heidelberg)


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Heidelberg. 16. Februar 57.
Mein geliebter Freund!
Wann Eure Rückreise stattfinden wird, ist mir nicht ganz deutlich. Jedenfalls habe ich am Donnerstag mit Bedauern das abscheuliche Wetter beobachtet, das Euern Hinweg sicher erschwerte. Im Augenblick aber ist hier jetzt an meinem Schreibeplatz wohltuende Sonne, die ich sehr genieße, da ich mich schon seit Tagen mit einem lästigen Katarrh herum schlage. – So will ich auch nur statt eines Briefes einen Gruß treuen Gedenkes schicken und vielen Dank für den lieben Brief vom 9., auf den ich recht viel zu antworten hätte. Danken möchte ich vor allem, daß Du schriebst trotz der Überbelastung, aber bitten, daß Du nicht
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| wieder Geld einlegst, denn Du hattest mir ja schon das Übliche hiergelassen. Ich brauche nicht so viel und Du weißt ja, daß ich im Notfall darum bitten würde. Es ist mir schmerzlich, daß Du solch dauernde Last mit mir hast! Aber Deine Güte hat doch nun einmal meinen untätigen Lebensabend zu einem stillen friedlichen Ausklingen gemacht. Ich genieße immer so bewußt diese warme Geborgenheit im eignen behaglichen Zimmer. Aber die eigne Unfähigkeit lastet trotzdem.
Ich grüße Euch in der Rümelinstraße und hoffe, daß sich das tägliche Leben für alle wieder nach Wunsch und Kräften einrichten läßt. Und außerdem hoffe ich, daß Du befriedigt von den Verhandlungen in Bonn zurückgekehrt bist. Immer mit treuen Wünschen
Deine Käthe.