Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 24. März 1957 (Heidelberg)


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Heidelberg. 26.III.57.
Mein geliebter Freund!
Draußen ist eine wundervolle Frühlingssonne, die ich mir zu Deinem Empfang nicht schöner wünschen könnte, aber wer kann da auf Beständigkeit rechnen! Für mich wäre freilich auch davon nicht die Freude an Deiner Gegenwart nicht geringer, aber Dir möchte ich doch ein recht ungestörtes Gelingen wünschen, denn die Stimmung Deiner lieben Zeilen bedrückt mich. Es ist nur eine Beruhigung, daß der Bronchialkatarrh beseitigt ist. Ich wage garnicht zuzureden, denn die Reise soll Dir doch keine Zumutung sein.
Es gibt viel Einzelheiten, die ich genauer zu besprechen hoffte – denn vieles bleibt mir
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| doch oft nur Andeutung.
Aber was Du von der Büste des Bildhauers Halbritter sagst, ist leider die Bestätigung meiner Befürchtung, die ich auf Grund seiner früheren Zeichnung hatte.
Daß meine treu bewahrten Drucksachen sich nützlich machen können, freut mich natürlich sehr. Ich habe hier in der drangvollen Enge doch eingesehen, daß ich nie dazu kommen werde, sie wieder zu ordnen. Im Bücherschrank habe ich noch einige, die mir s. Z. besonders lieb waren, und die ich mir griffbereit halten wollte. Vielleicht können wir sie bei Deinem Hiersein mal ansehen!
Ich muß heut diesen Zettel so abschicken, denn um 5 Uhr wird die alle 2 Wochen übliche Andacht mit Missionar Guther sein, die ich aus bestimmten Gründen nicht versäumen möchte. Und der Gruß
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| soll womöglich noch vorher in den Briefkasten.
Es wäre schön, wenn Du mich am Sonntag schon zum Essen abholen könntest, ganz abgesehen von dem Zusammensein, wäre es eine Wohltat, einmal dem betäubenden Lärm des offiziellen Abfüttern zu entgehen. Das habe ich vorigen Freitag bei Hedwig Mathy als rechte Erholung genossen. – Es ist am Ende der Haydn-Straße, die auf unser Haus trifft, in der Steubenstr. wo die Elektrische fährt, ein gutes Restaurant: Rosengarten, das ich nicht entdeckt hatte, als Du letztesmal kamst. Wir bogen zu früh nach links gegen den Bachlenz!
Hanne Héraucourt hat mir eine Möglichkeit verschafft die Erinnerungen von Carossa leihweise zu erhalten. Und von Hedwig M. habe ich das Blaue Buch Menschen der Zeit, und studiere daran Physiognomik und Geschichte!
Dir und Susanne recht herzliche Grüße und für Ida gute Wünsche für volle Erholung.
Immer
Deine Käthe