Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 10. April 1957 (Heidelberg)


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Heidelberg. 10. April 57.
Mein geliebter Freund!
Seit Deinem lieben Brief vom 5., der mir so gute Nachricht brachte, habe ich für heut auf die Mitteilung weiterer Pläne gerechnet und da kam richtig die erhoffte Karte; aber die deutsche Marke war sofort eine Enttäuschung. – Seit Sonntag hatte sich das Wetter so entschieden gebessert, daß ich mit Sicherheit auf eine Adresse in schöner Gegend hoffte. Aber ich will doch nun hoffen, daß Alpirsbach und die warme Sonne das Ihrige tun, und daß Du nicht in eine fremde Gegend Dich eingewöhnen mußt, sondern die vorhandenen Schwierigkeiten bei größerer Ruhe überwinden kannst.
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| Du weißt ja jetzt, seit unserm letzten, so sonnigen Zusammensein, daß ich in einer ähnlichen Lage bin und das, in gesteigertem Maße, seit Jahren. Aber es geht immer noch und man lernt, sich zu behandeln! Aber auch das ärztliche Urteil ist hilfreich, denn es ergänzt das subjektive, und so bin ich ganz zufrieden, daß mein "ausgewechseltes Fräulein Dr." mich für den Dienstag genötigt hatte, mich gründlich untersuchen zu lassen. Das hat ebenso wenig Befund für einen chirugischen Eingriff ergeben und ich werde also unentwegt suchen das nötige Gleichgewicht zu erhalten.
Seelisch habe ich es vor ein – zwei Monaten in der Stille neu erkämpft, und hoffe es auch in Zukunft zu bewähren.
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Ich habe doch in meinem Leben solch unverdienten Reichtum erfahren; ich dürfte mich doch nicht beklagen, wenn es mal nicht nach Wunsch ginge.
Du bist in allem meine tägliche Hilfe, in Deiner Treue und dem Glück, daß wir uns begegneten. Wir glauben doch an eine höhere Fügung! Und Scholz hat mir nicht ohne Grund den Spruch mitgegeben: "aber die Liebe ist die größte unter ihnen".   (am 16. April 1889.)
Ich schreibe bald wieder, eventuell schon nach Tübingen?
Heut aber noch viele Grüße an Susanne und ihre Familie, und Dir viel treue Wünsche!
Immer
Deine
Käthe.