Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 14. April 1957 (Heidelberg)


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Heidelberg. Palmsonntag
1957
Mein geliebter Freund!
Ob Ihr bei der starken Abkühlung noch in Alpirsbach bleiben konntet? Vielleicht war der Dr. Wesle dafür eine Vertrauen erweckende Ursache. Jedenfalls mußte man doch eine Wirkung seiner Verordnung abwarten. Auch für mich war die Röntgendiagnose Dich betreffend eine tröstliche Beruhigung und in Bezug auf mich selbst eine Bestätigung jahrelanger Selbstbeobachtung. Es gelingt nur nicht immer die Störung rechtzeitig auszugleichen. Und die Schwierigkeiten nehmen nur zu. – Ich warte natürlich recht auf einen kurzen Bericht. –
Auf alle Fälle war es ein Risiko, damit
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| auf Reisen zu gehen. Aber entscheidend günstig ist es ja, daß wir alle Beide guten Appetit haben!
An Alpirsbach ist mir ganz besonders in der Erinnerung die herrliche romanische Kirche, und die sonnige Bank auf dem kleinen Hügel mit Kerschensteiners Taschentuch! Gibt es auch bequeme Spaziergänge? Mache nur, bitte, vorläufig keine Unternehmungen, sondern heile die Attacke erst aus.
Mir wird es vorläufig noch immer recht schwer, einen Brief zu schreiben, obgleich mein Gewissen sehr belastet ist. Du merkst es ja an dem fortwährenden Verschreiben. Es ist, als ob die Hand "stottert"!!
Am Freitag hatte ich mal ein recht nettes Zusammensein mit Hedwig. Wir aßen im
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| (Rosengarten) nein, dort war Betriebsruhe, sondern im Lamm; kaum weiter fort, und da ist ein sehr hübsches getäfeltes Wirtszimmer und guter Wein, wie ebenso nette Bedienung und ein behagliches Eckchen, und Essen. Das hoffe ich auch mit Dir mal aufzusuchen. Ich betrachtete das Unternehmen als Probe für "künftige Fälle". Und auf alle Fälle ist es eine Wohltat hier mal der Fütterung zu entgehen.
Mich hatten Héraucourts kürzlich mal eingeladen, aber ehe es dazu kam, wurde Hanne wieder krank, eine schwere Eiterung in Stirnhöhle, Kiefer, Nase – ich war gestern dort, um mich zu erkundigen. Sie hatten Besuch vom Bruder der Mutter und deren Stimmung war strahlend – Hanne gefaßt und tapfer wie immer, aber sehr matt. Es war mir vorigen Mittwoch [unter der Zeile] Gelegenheit, Missionar Gunther
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| menschlich für Beide wegen Heimaufnahme zu interessieren, aber wirds helfen?
Ich lege Dir dies Photo aus der Zeitung bei, das so lebhaft die Entrüstung von Heuß kundtut, die er über das offizielle Knipsens der Zeitungsmenschen während seines Urlaubs empfindet! — Hoffentlich kannst Du in Alpirsbach in jeder Art ungestörte Ruhe genießen! Oft denke ich noch an das Bild Deiner Büste, -Porträt-Kopf, und würde es mir gern genauer besehen – auch von vorn – um ihm womöglich mehr abzugewinnen! –
Ich hatte manchen Besuch inzwischen: Frau Hoffmann, geb. Drechsler mit dem ältesten Sohn, und "Duft" statt Blumen von der Tochter, die nicht mit auf der Reise war. Frau Buttmi und Frau Mehner, die mir Obst brachte. Ich freue mich über jeden, der zufällig nicht mit andern zugleich kommt. – Aber der Briefkasten wird früh geleert und so kommt vielleicht dieser Gruß noch morgen in Deine Hände! Susanne wird <li. Rand> froh sein über die Wahl von Alpirsbach. Hoffentlich ist sie wohlauf! Das hoffe ich <Kopf> bald mal von Euch Beiden zu hören. Immer mit innigen Grüßen und Wünschen bei Dir! Deine
Käthe.