Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 25. April 1957 (Heidelberg)


[1]
|
Heidelberg. 25. April 1957
Mein geliebter Freund!
Heut kam Dein Brief und von Susanne adressiert das Blatt aus der Frankfurter A.Z. Für beides herzlichen Dank! Daß Ihr hierher kommen werdet, ist eine große Freude, ganz besonders auch weil Deine Reisefähigkeit ein Zeichen Deines besseren Befindens ist. Aber betrübt bin ich, weil Dich ärgerte, weil ich auf die Weinfrage nicht geantwortet hatte! Im Stillen hatte ich noch auf eine mündliche Verständigung über diesen Punkt gehofft, wie sie ja nun wirklich zu werden verspricht, und es war mir bei meiner großen Müdigkeit eine umständliche Erklärung zu zeitraubend
[2]
| gewesen, mündlich wird es ganz schnell zufrieden gelöst sein. Für mein Befinden schien mirs nicht so eingreifend. Damit bin ich weiter in labilem Gleichgewicht, das hauptsächlich durch allerlei Umruhe im Haus gestört worden ist. Aber alles war keine ernstere Verstimmung für mich, nur mußte ich es gleich klarstellen, und damit wurde ich von Pontius zu Pilatus geschickt, bis es jetzt erwiesen ist, daß von den geordnet verpackten Sachen ein Bettstück wo anders verstaut und an einem der zwei Bildern im Rahmen das Glas zertrümmert, und die Sache auch wo anders untergebracht war.
Meine Osterstimmung war durch den strahlenden Sonnenschein und den schönen Heimataufsatz so gehoben und ich habe mich auch mit offnem Verständnis der staatsbürgerlichen Verpflichtung zugewendet; morgen will ich mich bei Hedwig M. damit beschäftigen.
<li. Rand> Heut nur noch herzliche Grüße und auf Wiedersehen! <Kopf> Gute Reise!
Deine
Käthe.

[li. Rand S. 1] Heut sind verspätete Äquinoctialstürme!