Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 3. Mai 1957 (Heidelberg)


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Heidelberg. 3. Mai 1957
Mein geliebter Freund!
Ich muß Dir doch unbedingt heut noch innig danken für Deinen lieben Besuch, der leider manches Unbequeme und Lästige für Dich mit sich brachte. Mir aber brachte er so recht die Zunahme meiner Unzulänglichkeit zum Bewußtsein. Trotzdem war es ein "Sonntag" für mich, und die Sonne strahlte auch nach der Ruhepause auf dem gebrechlichen Lehnstuhl noch so unentwegt, daß [über der Zeile] ich mir zunächst (nach 4 Uhr!) einen guten Kaffee mit Ali machte, der nicht die Untugend des Neskaffees haben soll, und dann "ins Blaue"
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| strebte, gegen den lockenden Heiligenberg – um die Straßenecken beim Kapellenweg, wo der Abschied so schnell über mich kam, daß ich noch lange dem Wagen nachsah.
Nun möchte ich gern noch so manches Ungesagte nachholen, vor allem auch einen Gruß für Ida, für die ich etwas Schokolädchen hatte mitschicken wollen!!
Hoffentlich habt Ihr eine gute Reise gehabt, und zuhause alles nach Wunsch angetroffen.
Du erwähntest etwas, was Du mir geschrieben hättest, wovon mir nichts bekannt war, da möchte ich nur fragen: die letzten Briefe waren von Alpirsbach am 11.IV., Tübingen vom 16. und vom 24.IV. – Ist da etwa einer verloren? – Ich will nicht hoffen.
Draußen steht eine feine silberne Mondsichel am Himmel und im Haus ist jetzt Grabesstille, da werde ich rasch weiterschlafen. Also recht gute Nacht. Mit dankbarem Herzen
Deine Käthe.

[li. Rand] Und richte, bitte, auch herzliche Grüße von mir aus!