Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 24. Mai 1957 (Heidelberg)


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Heidelberg. 24. Mai 57.
Mein geliebter Freund!
Wie es scheint, ist mein letzter Brief, noch nach dem an Susanne nicht bei Dir angekommen. Die Gedanken darin hatten sich bei mir immerfort weitergesponnen und sollten eigentlich heut zu einem Brief an Dich werden, aber mein Kopf ist so benommen, daß es nichts werden kann. Nur der Wunsch – ich möchte sagen: Fürbitte – ist immer lebendig, daß Du recht gute Stunden freien Schaffens an diesen Vormittagen für die geplante Arbeit an der Broschüre finden mögest, die den Industriellen das eigentliche Ziel zeigen soll! –
Nun kam heut wieder ein lieber Brief von Dir an mich und leider berichtet er
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| wieder von dauerndem Ärger und Mißstimmung. Bei uns gab es auch manch schöne, sonnige Stunde, aber zu Naturgenuß reichen sie bei mir nicht mehr.
Möchten doch meine treuen Wünsche Dir aus der Ferne über alles Störende hinweghelfen können! Der Seelenfrieden muß eben auch durch Kampf errungen werden!
für heut muß ich den Brief in den Kasten bringen und zu Hedwig Mathy zum Essen gehen. Da wird es still sein und Dein Aufsatz für die Deutsche Heimat zu Worte kommen. – Grüße herzlich von mir, und sei selbst innig gegrüßt von
Deiner
Käthe.