Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 10. Juni 1957 (Heidelberg)


[1]
|
Heidelberg. 10. Juni 1957
Mein geliebter Freund!
Auf den Pfingstsonntag hatte ich mich gefreut in der Absicht, recht in Ruhe schreiben zu können und da war eine so erdrückende Schwüle, daß man nur mühsam herumkroch. Auch die Andern!!
So will ich wenigstens heut noch einen treuen Gruß ständigen Gedenkens schicken nach einem Besuch bei Frl. Dr. Clauß, die gerade Geburtstag hatte und deren Zimmer voll herrlicher Blumen war. Trotzdem konnte ich ein längeres Gespräch, recht gemütlich mit ihr halten. – Auch am Samstag war ich mit guten Freunden zusammen, Frau Heinrich und Schwester Frl. Stutz und so war nach langer Öde mal wieder ein tröstliches Verkehren mit verständnisvollen Menschen. – Das war
[2]
| auch bei der Andacht am Samstag abend, die ich immer aufsuche, wie eine Gabe des Pfingstgeistes. –
Hoffentlich ist es Dir auch indessen gut gegangen und Ihr habt keine anstrengende Tour in den Feiertagen riskiert. Alles was Du mir in Deinen beiden Briefen von 28. Mai und 4. Juni schriebst beschäftigt mich ständig in der Stille und ich danke Dir innig dafür, und ich hoffe auch, daß Du den Plan, mal wieder herzukommen, ausführen kannst. Aber Du weißt ja, daß es nur ohne gesundheitlichen Schaden sein darf und daß ich nicht ungeduldig bin. So beklage ich auch nicht aus Egoismus, daß Du die Rede für Kuno Fischer nicht halten wirst, sondern Deine Einsicht und Verzicht sind mir geradezu tröstlich. Herzliche Grüße an alle, aber besonders natürlich an Dich!
Deine Käthe.