Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 7. Juli 1957 (Heidelberg)


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Heidelberg. 7. Juli 1957.
Mein geliebter Freund!
Die Zeit der Schwüle ist zwar vorbei aber noch herrscht eine erbarmungslose Hitze, wie Du es ja für die Lage meines Zimmers im voraus vermutet hast, 24°R auch bei nacht! Aber ich habe mich entschlossen, die Tür auf den Gang zu öffnen, und so bläst ein ganz lebhaftes Lüftchen, das eine gewisse Kühlung vortäuscht. Was damit für Augen und Ohren von der Nachbarschaft zu mir dringt, dafür stelle ich mich taub!
So hoffe ich doch ein wenig Sammlung zu einem schon lange beabsichtigten Gruß an Dich zu finden, denn ich bin Dir ja so dankbar für all die lieben Nachrichten, die mich so viele Einzelheiten Deines Erlebens mitfühlen lassen. Obgleich ich auch die Belastung Deines immer so lebhaften Pflichtgefühls mit einer gewissen Sorge bei der sommerlichen Glut fühle,
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| so denke ich doch auch wieder, es muß Dir ja auch bewußt sein, wie schön es für all die wertvollen Menschen im heutigen, zerrissenen Deutschland ist, einen Mann ohne allen Vorbehalt gemeinsam feiern zu können. Und so bist Du ein lebensvoller Ansatzpunkt für für eine gesunde deutsche Zukunft.
Das weiß auch Dein junger Freund, Dr. Bähr, dem ich durch Deine Angabe seiner Wohnung für seinen bedeutungsvollen Gruß zum 27. nun auch danken konnte.
Noch vielerlei hätte ich zu sagen und zu fragen, aber ich warte in Geduld, bis Du mal Zeit für mich haben wirst, und denke Dein mit treuen Wünschen [über der Zeile] zur Kraft! für Deine gegenwärtige Überlastung.
Herzliche Grüße an Deine Hausgenossen, und Dir alles Liebe von
Deiner
Käthe.