Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 24./25. Juli 1957 (Heidelberg)


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Heidelberg. 24. Juli 1957
Mein geliebter Freund!
Wenn Dich meine Grüße noch vor Eurer Reise erreichen sollen, dann ist es höchste Zeit zu schreiben. —  — Da wurde ich unterbrochen und nun ist es d. 25. geworden, mit ebenso gewittriger Stimmung wie bisher. Alle Menschen, auch die robusten, erklären, dauernd müde zu sein, da kannst Du Dir denken, daß ich fast beständig schlafe! In wachen Stunden bin ich vertieft in die Festschrift und freue mich besonders an allem, was da für mich an Erinnerung geweckt und auch oft mit neuen Lichtern versehen wird. Und an den beiden Bildern außen und innen habe ich immer wieder innige Freude, denn sie sind solch sprechender Ausdruck Deines Wesens.
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| Gern würde ich im einzelnen auf nur Wichtiges eingehen, aber ist es nun die übliche Heidelberger Luft oder die atomverdächtige Schädigung – ich bin noch immer nicht wieder zu der gesammelten Geistesgegenwart fähig. Es ist eine ständige Barometerschwankung.
So will ich wenigstens berichten, daß ich einen erfreulichen Besuch der Brüder Matussek hatte, die aber leider von der Beerdigung des Vaters kamen. Sie konnten aber nur als Trost sagen, daß ein leichtes Ende ein längeres Siechtum verhütet hat. – Gestern hatten wir nach längerer Zeit mal wieder eine mich ansprechende Andacht vom Missionar Guther, und heute kam überraschend mal wieder Gisela Gaßner zu einem erfreulichen Gespräch, die dann von ihrem Mann abgeholt wurde. – Und nun kann ich nur noch sagen, wie ich mit guten Wünschen den Himmel beschwöre, für Euch recht freundliche Seiten aufzuziehen, daß Ihr eine gewiß recht notwendige Erholung nach all den freudigen Strapazen haben könnt. <li. Rand> Das wird auch Susanne nötig sein, wenn es auch sicher für sie eine große <Kopf> Freude war, Dir so tatkräftig helfen zu können. Möchte nun auch das Pulstempo bei Dir wieder <li. Rand S. 1> strammer sein. Nimmst Du irgend etwas zur Stärkung? Bei mir ist oft eine etwas überstürzte Eile. Aber es geht mir "im ganzen gut". Herzliche Grüße an alle <Fuß S. 1> ganz besonders Dir von
Deiner
Käthe.
[] Künftige Adresse wo?