Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 15./16. August 1957 (Heidelberg)


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Heidelberg 15. August 1957.
Mein geliebter Freund!
Deine lieben Zeilen von 9.8. waren mir natürlich eine große Freude, weil sie von gutem Wetter und Erholung berichteten, und ich bin [über der Zeile] noch besonders dankbar dafür, weil ich mir so gut vorstellen kann, daß Feder und Tinte Dir "reichlich über" war. Und noch ist ja immer eine große Anzahl von Briefen, die zu schreiben Dir wichtig ist. Trotz täglicher guter Vorsätze nehmen bei mir die Schulden nicht ab, und ich bleibe immer mehr im Rückstand auch mit den erwünschten Antworten.
Heut will ich nun aber die Rücksendung des Briefes von Frl. Hohenadel beifügen. Daß es auch in Blumberg keine passende "Ansprach" gibt, verstehe ich nach den hiesigen Erfahrungen. Von Uneinigkeit bemerke ich eigentlich nichts. Aber ich habe mir eigentlich von Anfang an eine gewisse Distanz gewahrt. Die kleinen Bilder vom Fest folgen nächstens auch.
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Dagegen bin ich in stiller Gemeinschaft mit Deiner Festschrift und den Bildern Deiner Büste viel friedlich in meinem Zimmer und genieße auch viel den oft so interessanten Blick in den Abendhimmel. Der jetzt nicht immer Gutes verspricht. – Wie lange dankt Ihr denn noch in Lenzkirch zu bleiben? Am 18.8. werden es wohl 3 Wochen sein. Hoffentlich hört die Neigung zu Regengüssen jetzt wieder auf.
Ob Frau Meinecke gekommen ist? Einmal war ich bei ihr zum "Damenkaffee"; es kam durch ihre Schulfreundschaft mit Hanna Virchow, von der ich garnichts mehr höre. Und wo ist Käthe Silber in Graubünden?
Heut bekamen wir alle im Heim von der Stadtverwaltung eine Aufforderung zur Röntgenuntersuchung am 26. August im Schulhaus Handschuhsheim. — Sehr langweilig und unnötig.
Und ob ich die Rundfunksendung von Dir aus Köln hören kann, ist problematisch, da sie hier oft nicht gut aufzufangen ist. Ich werde mich natürlich darum bemühen, habe schon bestimmte Absichten. Und jetzt (am 16. um 12 Uhr) will ich dies in den Kasten stecken, bei lebhaftem Regen! Nur noch viele Grüße und die besten Wünsche für Sonne u. Erholung <li. Rand> für den weiteren Aufenthalt für Euch. In stetem Gedenken
Deine Käthe.