Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 27. August 1957 (Heidelberg)


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Heidelberg. 27.August 1957
Mein geliebter Freund!
Immer wenn ein Brief fortgeschickt ist, fällt mir eine Menge ein, was ich noch hatte schreiben wollen. So will ich doch mal gleich damit anfangen, was schon beim letztenmal wichtig gewesen wäre: Hedwig Mathy hat mir gesagt, daß sie an diesem Freitag – (wie auf dem Kalender steht, dem 30.) verreisen wird, und darum keine Post bekommt. Ich hoffe nur, daß das keine Schwierigkeit für Dich gibt. Geld brauche ich keines, für die Hausaufgaben ist reichlich da, und in Geschäfte gehen wird mir immer schwerer. Also, bitte, schicke nichts. Aber fragen wollte ich gern, wen meinst Du
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| mit den Familienforschern, wovon Du schreibst? Ich besinne mich vergeblich? Das einzige auf Familie Bezügliche, was mir bewußt ist, ist das hübsche Bild, kleine Photo, von den 5 Pramanns das mir Gisela Gaßner brachte. Wieso sie dazu kam, habe ich nicht recht verstanden, aber es ist so charakteristik, daß es mich lebhaft berührte, besonders bei Mädi – ich hatte gleich den Wunsch es Dir zeigen zu können. Aber ich wollte es nicht gern fortschicken! Ihr zu schreiben, bin ich auch schon tagelang schuldig! Du wirst Dir denken: "es langt nicht mehr." Die Röntgen-Strapaze habe ich aber nun ausgeschlafen, und morgen soll ich bei Hedwig zum Kaffee sein – leider hat sie keine Zeit irgendwo auswärts mit mir Mittagessen zu suchen. Das ist eine Erholung für mich, die ich nun schon lange entbehren muß. Bei uns ist es heute kalt und regnerisch, da suche ich die Sonne innerlich – und bin ganz überwältigt von neuen Tiefen in der Magie der Seele, die ich doch seit mehr als 10 Jahren zu kennen <li. Rand> glaubte, und die mich von manchem Druck befreite, wie auch ein rasches <li. Rand S. 1> Wort von Dir bei meiner Ablehnung des Dogma's. : "Wir leben doch in einer christlichen Kultur."
Mit vielen guten Wünschen und Grüßen
Deine Käthe.