Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 6. September 1957 (Heidelberg)


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Heidelberg. 6. Sept. 1957.
Mein geliebter Freund!
In Gedanken habe ich Dir schon wieder so viele Briefe geschrieben, daß ich garnicht weiß, was davon wohl bis zu Dir gelangt ist? Auf alle Fälle will ich Dir aber sagen, wie innig mich Dein lieber Brief zum 31. erfreute, wie er so ganz meinem innersten tiefen Erleben entsprach und wie er seither meine Tage durchsonnt hat. Jetzt eben hat auch die sichtbare Sonne den Platz am alten Sekretär gewärmt. Wechselnd und unzuverlässig ist sonst das Wetter auch bei uns. Betrübt bin ich darüber nur im Gedanken an Dich, der so wenig Erholung von Lenzkirch mitgebracht hat. Und die atomare Vergiftung der Luft wird auch hier beständig gefühlt.
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In der Bombenhitze lief bei uns ständig das warme Wasser durch die Heizung, sodaß man nicht genug abdrehen konnte. Aber seit es kühl geworden ist, hörte das auf und man mußte sich winterlich anziehen. Die Hauseltern waren verreist, hatten eine Erholung recht nötig, denn sie haben viel Plage mit den Kinderkrankheiten, die dies neue Institut durchmacht. Nun sind sie wieder da, und hoffen mit uns auf ruhige Weiterentwicklung.
Wenn ich nur wüßte, was die Kopfneuralgie bei Dir, [über der Zeile] die Dich geplagt hat, eigentlich war, und was Du tun konntest, sie zu vertreiben? Überhaupt hatte ich mir in den Tagen nach Eurer Rückkehr rechte Sorge um Dich gemacht, sodaß ich erleichtert war, als ich Deinen lieben Brief sah – wenn auch dann die Nachrichten
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| keine reine Freude waren. Und ebenso geht es mir mit der endlosen Nachwirkung der reichen Anerkennung Deines Wirkens auf die Menschen, an der ich durch große Festschrift so beglückend Anteil nehmen konnte. Du müßtest Dir nun wirklich den Dank nicht zur Plage werden lassen, denn das ist ja nicht der Wunsch der Menschen. Du müßtest wirklich ein abgekürztes Verfahren finden –  – aber wie? Jedenfalls wäre es doch widersinnig Deine Gesundheit durch Pflichttreue zu schädigen!
Bei mir liegen nun auch allerlei Fragen vor, von denen ich Dir berichten möchte und Deinen Rat einholen. Aber das will ich auf morgen verschieben, damit der Brief noch in den Kasten kommt.
Darum Schluß mit dem Erzählen und nur noch herzliche Grüße Euch Beiden, Dank für Idas Karte, und innige Wünsche für Dein Wohlergehen.
Deine
Käthe.