Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 6. Oktober 1957 (Heidelberg)


[1]
|
Heidelberg. 6. Okt.1957
Mein geliebter Freund!
Als ich, sorgfältig verfrachtet, an dem Kapellenweg ankam, war gerade der Zeitpunkt, an dem ich vermuten mußte, daß der Zug am Karlstor für Dich einfuhr. Wie gern hätte ich das an Ort und Stelle mit angesehen!! So bin ich etwas beunruhigt geblieben, denn Deine Vermutung, daß er dort halten würde, war eigentlich nicht "gedruckt" bestätigt. Aber ich habe ja "merschtendals und überhaupt" den Glauben, daß Du rechthast und damit redete ich mir gut zu. Und so begleiteten Dich meine guten Wünsche; und in meinem Zimmer empfingen mich farbenglühend in der Sonne die schönen Georginen (Dahlia variabilis)! und ich war dankbar. Nun warte ich nur auf die Nachricht von Deiner guten Heimkehr ohne störende Zwischenfälle, auch weiterhin!
[2]
| Da ist ja freilich so mancherlei, was mir Sorge macht!
Hier ist die Sonne seit Deiner Abreise sparsam geworden, aber gesundheitlich geht es normal. In der abendlichen Andacht, gestern abend, gab es eine recht eindringliche Mahnung, nicht unnötige Sorgen zu machen und das Lied: Befiehl Du Deine Wege –" – das ich so sehr liebe. Außerdem gab es vorher recht gutes Fleisch, das mittags im Aufzug stecken geblieben war, und auf das man beim Essen vergeblich gewartet hatte. Wie gut, daß wir darauf nicht reflektierten! Am Abend ging die Sonne wieder wie ein roter Blumenball unter, aber heute ist's neblig, jedoch kein Regen, und für den 9. bin ich zu Buttmis gegen 11 Uhr eingeladen, bin dann abends pünktlich zuhaus. Sie haben Nachricht, daß in Amerika ein Enkel Stefan Sebastian angekommen ist. –  –  –
Und heut, am Erntedanktag ist der Todestag meines Vaters (1889). Am 31.8.1844 war er geboren, und am 31.8.1903 sandte er Dich zu mir. –  –
<Fuß S. 1> Sage herzliche Grüße an alle, ich denke viel mit guten <li. Rand S. 1> Wünschen an Euch und grüße Dich in inniger Dankbarkeit!
Deine
Käthe.