Briefwechsel Eduard Spranger/Käthe HadlichBibliothek für Bildungsgeschichtliche Forschung

Käthe Hadlich an Eduard Spranger, 30. Oktober 1957 (Heidelberg)


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<Scan sehr schwer lesbar>
Heidelberg. 30. Okt.
Mein geliebter Freund!
Heut habe ich niemand, dem ich diktieren könnte, und so will ich selber im Liegen zu krakeln versuchen, denn ich möchte Dir danken für Dein liebes Schreiben vom 29. Okt. und dir Deine Fragen beantworten, und alle unnötigen Sorgen <Wort unleserlich>. Ich glaube, Ihr seid durch die viel schlimmere Erkrankung der Frau Tierok für mich zu besorgt, Ruges waren völlig unbefangen, er ließ seine Frau öfter bei mir, wenn er draußen Gegend u. <2 Wörter unleserlich>, und auch hier kommen Besuche und Bedienung ohne Bedenken zu mir herein. Denn ich möchte natürlich keinen Infektionsherd abgeben! Deshalb war ich auch nur froh, daß Dein Weg nicht über hier ging in diesen Tagen. Und ich hoffe, daß das in absehbarer Zeit mal der Fall sein wird und daß wir das dann wieder gesund und froh unbefangen genießen können.
Heut aber zunächst die sachliche Auskunft, auf deren Wahrheit Du Dich verlassen kannst. Ich habe oft auf Verordnung gut warm eingepackt auf Bettrand oder Stuhl gesessen, und durch tiefes Atmen wurde festgestellt, daß die Lunge nicht beteiligt ist. Aber Schmerzen waren auch nicht arg: ich diagnostizierte: Zwischenrippenmuskel und Oberfläche, es zog von der Schulter über den Rücken in die andere Schulter und muckert
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| nun noch etwas im rechten Arm. Ich habe garkeinen Husten und Schnupfen, aber irgendeine Behinderung sitzt zwischen Rachen und Stirnhöhle, anfangs ein direkter Schmerz und jetzt eine lästige Trockenheit, auch der Lippen, die ich mit Trinken bekämpfe: Tee oder sogenannten Kaffee, aber hauptsächlich der zugehörigen Milch überwinde. Die Symptome scheinen mir nach dem Bericht von andern typisch, sind aber nicht schwer gewesen, die Hauptsache war nur ein ganz unsinniges Schwitzen – Du kennst doch den Brand im Hutzelwald: "wir sind in unserm <2 Wörter unleserlich> schier geschwommen" und das wurde als große Schwäche mit einem Herzmittel bekämpft, ebenso mit Spritzen, den ersten in meinem lange Leben!! Die haben gut geholfen und das hoffe ich Dir bald mal beweisen zu können. Aber vorher muß erst noch mein Zimmer gut geputzt werden.
Ich hätte Dir mancherlei auf all Deine letzten Briefe in stiller Besinnung zu antworten, aber heut ist mirs noch zu mühsam. Aber gern habe ich gehört, daß Eure Patientin transportfähig war und Euch der tägliche Druck ferner gerückt ist. Und um mich braucht man sich nicht zu sorgen, <Wort unleserlich> ich <re. Rand> noch Andern. Aber ich grüße herzlich, vor allem Dich. D. K.